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Erläuterung und Kommentar zum Werk "Gastfreundschaft hat auch ihre Kehrseite" von Yosomiya Takashi

Veröffentlicht von Textinitiative am 02.03.2014
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Quelle:
http://blogs.yahoo.co.jp/ryokoobasan/32653500.html
[02.März 2014]

Dieses Werk von Yosomiya Takashi gewann den diesjährigen 68. Gouverneurspreis im Kunstmuseum von Tokushima. Zum dreijährigen Jahrestag der Dreifachkatastrophe von Fukushima birgt es gleich mehrere kritische Botschaften. Der die japanische Flagge symbolisierende rote Punkt rollt sich auf und zeigt seine dunkle, verborgene und im Schatten dieser japanischen Gesellschaft liegende Seite: die Atomenergie. Der Schriftzug in der rechten oberen Ecke „Omotenashi ni wa, ura ga aru“ ist ebenfalls scharfsinnig formuliert. Liest man nur „ Omote ni wa, ura ga aru“ [Jede Vorderseite hat auch eine Rückseite] verweist dieses Spruch zweifellos auf die Abbildung in der Mitte und die Atomproblematik in Japan. Liest man jedoch den gesamten Satz „Omotenashi ni wa, ura ga aru“, so kommt eine zusätzliche Bedeutungsebene hinzu. Komplett bedeutet dieser Satz nämlich: „Gastfreundschaft hat auch ihre Kehrseite“. Diese offensichtliche Anspielung auf die 2020 in Tokyo stattfindenden Olympischen Spiele, kombiniert mit dem nur schwer lesbaren Satz „The situation is under controll“, den der momentane Premier Shinzō Abe am 7. September 2013 in Buenos Aires vor der Vergabe der Olympischen Spiele vor dem IOC verlautbarte, ist als scharfe Kritik des Künstlers an der momentanen Politik zu sehen. Dieses Werk richtet sich demnach nicht nur an eine japanische Öffentlichkeit, sondern auch an eine Weltöffentlichkeit, die diese Zusammenhänge endlich erkennen muss. Mögen die vielen Demonstrationen in den nächsten Wochen in Japan aber auch in Deutschland ein Anstoß sein, diese Debatte weiter voranzubringen!

Felix Jawinski (Universität Leipzig)

Zuletzt geändert am: 03.03.2014 um 01:37

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