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Kinder- und Jugendliteratur nach Fukushima - Das Schicksal des Paro

Veröffentlicht von Textinitiative am 09.09.2016
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Inga Neuhaus, die für ihre MA-Arbeit zum Thema "Tierethik in Japan" forscht, hat sich im Sommersemester mit "Paro" beschäftigt und verfasst dazu für das Forschungsprojekt  "Japan nach Fukushima" einen kleinen Beitrag.

Zurückgelassen in Fukushima – Paro mit dem roten Halsband

Angeregt durch Yôko Koyama-Sieberts Hinweise zur Post-Fukushima Kinder- und Jugendliteratur (1) setzte sich die Frankfurter Japanologie im SoSe 2016 mit Katô Taichis (*1934) Werk „Paro mit dem roten Halsband“ (Akai kubiwa no Paro) auseinander.

Bei der Zwangsevakuierung nach der Dreifachkatastrophe muss die Viertklässlerin Yurika ihren geliebten Hund Paro in der Sperrzone zurücklassen. Zusammen mit ihrer Mutter flieht sie vor der Strahlung nach Hokkaidô, wo Tomoe, eine Freundin der Mutter, lebt. Das Mädchen ist fasziniert von Tomoe, die einen umweltbewussten Lebensstil führt und Anti-Atom-Demonstrationen besucht. Auch die Lebensmittelsicherheit nach „Fukushima“ wird thematisiert. Katô scheut sich nicht, durch die Figur der Tomoe direkte Kritik an NHK, TEPCO und der Regierung mit ihrem „Sicherheitsmythos“ (anzen shinwa) zu üben. In einem Interview betont er, Kindern solle die Wahrheit über die Atomkraft vermittelt werden (2). Der Tod Paros, den Yurika am Ende akzeptieren muss, steht symbolisch für eine Konfrontation mit dieser Realität.

Katô Taichi (Text), Taguchi Michiyo (Illustrationen) (2014): Akai kubiwa no Paro – Fukushima ni nokoshite (Paro mit dem roten Halsband  - zurückgelassen in Fukushima). Chôbun Sha.

Literaturhinweise:

(1) Koyama-Siebert, Yôko (2016): Atomare Kinder- und Jugendliteratur in Japan und Deutschland. Ein Vergleich. In: Literaturkritik.de Ausgabe Nr. 4, April 2016. Den Beitrag von Koyama-Siebert gibt es seit Juli 2016 auch in Buchform im Band Nukleare Narrationen. Erkundungen der Endzeit fünf Jahre nach Fukushima (EB-Verlag Berlin, S. 43-55. Herausgegeben vom Rezensionsforum literaturkritik.de und Lisette Gebhardt).

(2) Hokkaidô Shinbun (Datum unbekannt): [Interview mit Katô Taichi] Fukushima no genjitsu kodomotachi ni. Genpatsu têma no hon shuppatsu (Die Wahrheit Fukushimas an die Kinder. Veröffentlichung eines Buches über die Atomkraft). Scan verfügbar unter:

http://blog.goo.ne.jp/funabasiakiko/e/b1cc2b622368be913eac2048c731710f (Letzter Zugriff 04.09.2016)

Zuletzt geändert am: 12.09.2016 um 17:41

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