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Post-Fukushima-Lyrik zum Nachdenken: "Bahnhof" von Wago Ryoichi

Veröffentlicht von Textinitiative am 07.12.2015
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Bahnhof (駅)

Am Bahnhof     starre ich jemand Unbekannten an
Ich werde sehr     traurig
Vielleicht weint     dieser Mensch
bitterliche Tränen in der Nacht?

Gehe ich am Bahnhof     an einem Unbekannten vorbei
fühle ich mich manchmal einsam
An diesem Menschen     werde ich zukünftig
wohl nicht noch einmal vorübergehen

Ein jeder von uns hat in seinem Herzen
Schienen gelegt
Es gibt Bahnsteige, auf denen niemand ist
Der Wind weht hindurch

Jedes unserer Herzen
wartet auf einen Zug ohne Passagiere
Laut hindurch fährt nur die     Einsamkeit
Dennoch suche ich dort jemandes Gestalt

27. November       Am Niemandsbahnhof von Namie

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駅で 知らない人を見つめていて
とても 悲しくなるのです
あの人は 夜になると
さめざめと泣くのではないか

駅で 知らない人とすれ違うと
寂しくなる時があるのです
あの人とは これから先
一度もすれ違うことはないのだろう

私たちは心のそれぞれ
線路を敷いている
誰もいないホームがある
風が通り抜けていく

私たちの心はそれぞれ
誰も乗っていない列車を持っている
激しい音で通り過ぎるのは 孤独だ
それでもそこに誰かの姿を探すのだ

十一月二十七日 無人の浪江駅にて

Aus:

BERET, Madlen (2014): „Worte ohne Schutzanzug“: Wagô Ryôichi. Japanische Lyrik nach „Fukushima“. Berlin: EB-Verlag
EB-Verlag, 2015
318 Seiten
ISBN 978-3-86893-173-0 

Zuletzt geändert am: 14.12.2015 um 10:47

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