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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

Die Seiten der Textinitiative Fukushima werden derzeit von der Japanologie der Goethe-Universität betrieben. Gegenwärtiges Anliegen von TIF ist die zeitgeschichtliche Dokumentation. Das Forum dient nun in erster Linie als Archiv für Informationen zu 3/11 sowie allgemein zur Geschichte des Atomaren. Die Suchfunktion ermöglicht Recherchen zu Stichworten, Inhalten und Akteuren.

Aktuelles

Tokyo Olympics 2020: Japans Triumph, globales Risiko?

(IOC)

„Tokyo will deliver“, “Tokyo wird liefern”, verspricht der Slogan auf der neuen offiziellen Homepage zur erfolgreichen Olympiabewerbung der japanischen Metropole. Das Team um Premierminister Abe Shinzô, der dem IOC das attraktivste Angebot machte, zeigt sich auf einem Foto von der IOC-Beratung in Buenos Aires außer sich vor Freude. Nach der Dreifachkatastrophe von Fukushima und den negativen Nachrichten, die Japan schon über zwei Jahre nicht im günstigsten Licht erscheinen lassen, brauchte die Nation ein positives Signal, Hoffnung für die kommende Zeit.  „Discover Tomorrow“ lautet ein weiteres Motto auf der HP. Dem IOC hatte Japan unschlagbare kommerzielle Möglichkeiten („unbeatable commercial potencial“) versprechen können. Das Risiko „Fukushima“ hat Abe kleingeredet, die Gäste der Olympiade dürfen es nun im Sommer 2020 mit Japan teilen. Einer Lösung des großen und komplexen Problemszenarios „Fukushima“ kommt die Bewerbung sicher entgegen, muss Japan jetzt das Krisenpotential - soweit dies überhaupt möglich sein wird – eindämmen. Viel Geld ist dazu nötig und technisches Genie: eine olympische Aufgabe.

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Nach „Fukushima“: Kritik am System Japan

Der Japankorrespondent der Süddeutschen fragt sich in seinem Artikel vom 5. September 2013, welche Strukturen der japanischen Gesellschaft es bedingen, dass niemand die volle Verantwortung für die Atomhavarie im Norden tragen will und es so auch nicht endlich zu einem konsequenten zielführenden Handeln kommt. Neidhart sieht in Japan einen „kopflosen Gehorsam“ am Werk und meint, „vor allem japanische Männer befolgten Vorgaben fast blind, selbst wenn ihnen klar ist, dass damit eine Vorschrift verletzt oder betrogen wird. Gesetze und Regeln interpretiert man flexibel, die Loyalität zur Gruppe ist wichtiger. Solange man einen Verstoß nicht sieht, ist er auch nicht passiert.“ Angestellte, so der Auslandskorrespondent, gehorchten der Firmenhierachie. Und dort walten heute keine Autokraten mit Visionen mehr, sondern Aufsteiger, „die als Befehlsempfänger groß geworden sind.“ Im Zentrum der Macht erkennt Neidhart ein „ideelles Vakuum“, das auch im Staat offensichtlich sei; dieses fülle man mit  abstrakten Vorstellungen wie dem Japanertum oder dem „Geist von Tepco“ – der Fehler liege also im System. Abgesehen davon, dass die technische Bewältigung der atomaren Katastrophe eine riesige Aufgabe darstellt und auch große finanzielle Investitionen erfordern würde, letztlich also wie so vieles eine Geldfrage, könnte man sich fragen, ob der gehorsame Befehlsempfänger nur ein japanischer Typus sein muss oder ob er nicht schon längst zum Grundmodell des globalisierten Menschen geworden ist. 

Link: http://www.sueddeutsche.de/politik/atomkatastrophe-in-fukushima-zu-stolz-fuer-den-gesichtsverlust-1.1762763


Imagepflege für ein System in der Krise

Die problematischen Entwicklungen in Fukushima dauern nach wie vor an, TEPCO bleibt überfordert und die Medien in Japan und auch international schienen das Interesse an der zweitgrößten Atomkatastrophe nach Tschernobyl verloren zu haben. Nun wird es mit den Mengen an radioaktiv verseuchtem Wasser, die man kaum bewältigen kann, wieder klar, wie gravierend „Fukushima“ ist. Die japanische Regierung greift nun energischer ein, so berichten verschiedene Medien, vor allem auch weil man die Olympischen Spiele nach Japan holen will – späte Krisenpolitik als Imagepflege vermuten viele und stellen erneut Überlegungen zum Zustand der japanischen Demokratie an.

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Krisenkommunikation und Camouflage: Majia Nadesans Studie erscheint demnächst

Professor Majia Holmer Nadesan ist Professorin der Kommunikationswissenschaften in der Abteilung für Social and Behavioral Sciences in the New College of Interdisciplinary Arts and Sciences an der Arizona State Universität; ihre Fachgebiete sind bio-politics, bio-power, political economy, transactional capitalism, autism.

Sie beschäftigt sich mit den Kommunikationsstrategien von TEPCO und der Regierung und wird im Herbst 2013 eine Studie zum Thema “Fukushima and the Privatization of Risk” veröffentlichen.

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Neue schlechte Nachrichten aus Fukushima

Seit mehreren Tagen häufen sich wieder Berichte über den bedenklichen Problemstatus der Meiler in Fukushima, deren Sicherheit trotz Verkündung der „Kaltabschaltung“ (Noda am 16. Dezember 2011) mitnichten gegeben ist. Während sogar die gegenwärtige pro-atomare japanische Regierung unter Abe Shinzô nun Ungeduld mit TEPCOs ungenügender Krisenbewältigung zeigt, beunruhigen die japanischen Pläne zum Export der Atomtechnik nach Vietnam und in andere Länder.

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