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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

 Nukleare Narrationen 2

Der Band "Kinder im Atomzeitalter. Berichte, Befunde, Bilder" ist rechtzeitig zum achten Jahrestag der Dreifachkatastrophe im März 2019 erschienen. Die Redaktion widmet sich nun dem Projekt „Olympia 2020 Tôkyô und Fukushima – Die Spiele der Weltrisikogesellschaft“. Bedingt durch diese und andere Publikationstätigkeiten werden die Entwicklungen in Japan in größeren Abständen kommentiert. Nach wie vor sollen jedoch Hinweise auf japanische / westliche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema „Japan nach ‚Fukushima‘“ oder allgemein zur Zeitgeschichte des Atomaren bekannt gegeben werden.


Aktuelles

Zum Rücktritt Sakurada Yoshitakas und seinen Kommentaren zum Wiederaufbau – Kurzkommentar und Pressespiegel

Als am 10. April 2019 zuerst in den japanischen und dann den internationalen Medien der Rücktritt von „Olympia-Minister“ Sakurada Yoshitaka 桜田義孝 (*1949) aus dem Kabinett Abe Shinzôs 安倍晋三 (*1954) verkündet wird, scheinen zwei Aspekte dieser Entscheidung besonders diskussionswürdig: Erstens das Wagnis solch eines PR-ungünstigen Schritts ein Jahr vor „Tokyo 2020“. Denn bereits im Herbst 2018 gab es Negativschlagzeilen: In den Medien wurde von einer „Kostenexplosion“ bei den Spielen gesprochen (Japan Times, 7. Oktober 2018); darüber hinaus wurden Sorgen laut vor einer erneuten Hitzewelle wie die vom August des vergangen Jahres (Japan Times, 13. August 2018).
 Zweitens und noch vehementer springt das wiederholte Muster von Diskriminierungsskandalen im direkten Umfeld von Japans aktuellem Ministerpräsidenten ins Auge. Als Grund für den erzwungenen Rücktritt Sakuradas wird eine Fundraiser-Veranstaltung genannt, bei der Sakurada zitiert wird, dass die Unterstützung für den lokalen Parlamentarier der Regierungspartei LDP wichtiger für den Nordosten Japans sei als der Wiederaufbau der durch Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe vom 11. März 2011 betroffenen Region (BBC, 11. April 2019). Das durch 3/11 belastete Verhältnis von Peripherie und Zentrum zwischen Tôhoku und Tôkyô scheint, gerade im Umfeld eines auf Nationalstolz basierten Mammutprojekts wie Tokyo 2020, durch den Sakurada-Skandal weiter angeheizt.

Der Eindruck einer Diskriminierungsrhetorik gegenüber soziopolitisch Benachteiligten unter der Abe-Administration wird durch vergangene Aussagen Sakuradas vom Februar 2019 bestärkt, als er sich „enttäuscht“ von der Leukämie-Diagnose von Japans Nachwuchsschwimmerin und potentieller Medaillenanwärterin Ikee Rikako 池江璃花子 (*2000) zeigte. Die Skandale um Sakurada reihen sich in jene um die LDP-Abgeordnete Sugita Mio 杉田水脈 (*1967), deren Kommentare zu „unproduktiven“ LGBT-Paaren (aus deren Verbindung keine Kinder hervorgingen) im Juli 2018 zu Demonstrationen vor dem Hauptquartier der Partei in Tôkyô geführt haben (The Mainichi, 28. Juli 2018). Nicht zu vergessen ihre öffentliche Verleumdung der Journalistin Itô Shiori 伊藤詩織, die nach eigenen Angaben am 3. April 2015 von Yamaguchi Noriyuki 山口敬之 (*1966), dem Biographen Abes, nach einem Geschäftsabendessen vergewaltigt wurde, und im Anschluss zur Pionierin einer japanischen #MeToo-Bewegung avancierte.
 Die Amtsenthebung Sakurada Yoshitakas scheint vor allem ein wichtiger Schritt für Japans Imagekampagne 2020. Was jenseits ganbaristischer und opportunistischer Maßnahmen vom LDP-parteiinternen Kampf gegen die Diskriminierung von Minderheiten und Schutzbedürftigen bleibt, muss vor allem nach dem Rampenlicht der Olympischen Spiele weiterverfolgt werden. Auch die Frage, ob man dann wieder hentai-Manga in den großen konbini-Ketten kaufen kann (The Guardian, 22. Januar 2019) – oder, ob solche dem Ausland „nicht zumutbaren Aspekte“ der japanischen Gesellschaft, für immer vom schwarzen Loch des Olympia-Opportunismus aufgesogen werden.

Links: BBC (11. April 2019): „Japan's Yoshitaka Sakurada resigns as Olympics minister” (https://www.bbc.com/news/world-asia-47889356)
The Guardian (22. Januar 2019): “Japan's 7-Eleven bans pornographic magazines in run-up to Olympics (https://www.theguardian.com/world/2019/jan/22/japans-7-eleven-bans-pornographic-magazines-in-run-up-to-olympics)
The Japan Times (13. August 2018): „Olympic heat wave fears: What steps can Tokyo take?” (https://www.japantimes.co.jp/news/2018/08/13/reference/olympic-heat-wave-fears-steps-can-tokyo-take/#.XK8jIlUza70)
The Japan Times (7. Oktober 2018): „Total costs for Tokyo Olympic Games may reach ¥3 trillion: audit board” (https://www.japantimes.co.jp/news/2018/10/07/national/total-costs-tokyo-olympic-games-may-reach-%C2%A53-trillion-audit-board/#.XK8q_lUza70)
The Mainichi (28. Juli 2018): „Thousands gather to protest LDP lawmaker's discrimination against sexual minorities” (https://mainichi.jp/english/articles/20180728/p2a/00m/0na/021000c)


Fundstück: Bürgerkrieg in Wackersdorf ǀ„Irmgard und die Widerstandssocken“ ǀ April 2019

Mit Stricken gegen Atomkraft: Als Mitte der 80er Jahre bekannt wird, dass im oberpfälzischen Wackersdorf eine Wiederaufbereitungsanlage gebaut werden soll, formt sich der Protest - und Irmgard Gietl verteilt zigtausende selbstgestrickter Strümpfe an die Demonstranten, damit diese nicht frieren ... Nach 2011 reagiert Gietl auch auf 3/11, schickt Socken nach Fukushima, empfängt Besucher aus Japan und hält bis heute Kontakte in das Land.

"Irmgard und die Widerstandssocken", um 22.00 Uhr in den Lebenslinien und vorab in der Mediathek.

Links: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/irmgard-gietl-eins-zu-eins-der-talk-100.html

https://de-de.facebook.com/bayerischer.rundfunk/videos/2281308645219523/ (Das Gespräch zum Nachhören, 8.4. 2019)

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/lebenslinien/irmgard-und-die-widerstandssocken-irmgard-gietl-wackersdorf-oberpfalz-ganze-folge100.html (Lebenslinien, Juni 2018)

https://www.youtube.com/watch?v=fIUrZefkl-A (Aufruf zum Widerstand aus Bayern nach Japan)


Chernobyl – Die Serie (April 2019)

„Die HBO-Serie Chernobyl speist ihren ganzen Gruselfaktor aus der realistischen Darstellung wahrer Ereignisse. Nun ist ein erster Trailer veröffentlicht worden. Dieses Frühjahr wird HBO nicht nur mit der lang erwarteten 8. Staffel von Game of Thrones aufwarten können. Um einen ebenfalls interessanten Serienstart handelt es sich bei Chernobyl. Die Serie stellt die realen Ereignisse des Atomkraftdesasters von 1986 in der Sowjetunion dar. HBO hat nun einen ersten Trailer veröffentlicht, den ihr euch oben anschauen könnt.“

“Chernobyl is an upcoming historical drama television miniseries created by Craig Mazin. The series, a co-production between American cable network HBO and British television network Sky, is set to premiere in both the United States and the United Kingdom on May 6, 2019.”

“Chernobyl dramatizes "the true story of one of the worst man-made catastrophes in history and tells of the brave men and women who sacrificed to save Europe from unimaginable disaster. The miniseries focuses on the heartbreaking scope of the nuclear plant disaster that occurred in Ukraine in April 1986, revealing how and why it happened and telling the shocking, remarkable stories of the heroes who fought and fell.”

Links:  https://www.moviepilot.de/news/chernobyl-neue-hbo-serie-findet-puren-horror-in-einer-wahren-geschichte-1117593

https://en.wikipedia.org/wiki/Chernobyl_(miniseries)

https://www.youtube.com/watch?v=Rle1Bywi61M


DU - Abgereichertes Uran als Internetangebot

“The Japan Atomic Energy Agency (JAEA) has confirmed radioactive materials sold on an internet auction site as depleted and yellowcake uranium, and notified police, according to sources close to the investigation.” 

“The material in question was found to be sold on the Yahoo Japan Corp. internet auction site in November 2017 with a tag line of "99 percent uranium." It was confiscated after the sale by the MPD and passed on for testing to the JAEA, based in the village of Tokai, Ibaraki Prefecture, northeast of Tokyo. Results of an earlier simple test had shown that the materials were extremely likely to be depleted uranium and yellowcake uranium concentrate powder. The seller agreed to voluntary questioning by the police, explaining that he had bought the materials on an overseas website.” (The Mainichi)

Link: https://mainichi.jp/english/articles/20190330/p2a/00m/0na/011000c


Neue Publikation der Japanologie Frankfurt

Zum achten Jahrestag der Dreifachkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 ist unter dem Titel „Nukleare Narrationen – Kinder im Atomzeitalter. Berichte, Befunde, Bilder“ ein von der Japanologie der Goethe-Universität herausgegebener Sammelband erschienen (EB-Verlag Berlin). Die Publikation enthält insgesamt 18 Beiträge, die sich der Problematik des Nuklearen unter verschiedenen Aspekten widmen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Visualisierungen nuklearer Erfahrung

Nach der Bombe. Uwe Loeschs Plakat „Little boy “ - (Stefan Soltek)

„Die Tschernobyl-Kinder“ in Fotografie und Literatur (Olena Kuprina)

„Am meisten leiden die Kinder“ – Frieder Wagner und Kamanaka Hitomi: Filme über die Auswirkungen radioaktiver Strahlung (Jan-Christoph Müller)

Nakashima Kiyoshis Kinderportraits. Kitsch in der Post-Fukushima-Ära (Sebastian Heindorff)

Atom-Spielzeug und Atom-Comics

„The Atomic Age im Kinderzimmer“: Kinderspielzeug zwischen Atom-Euphorie und Weiterbildung (Susanne Rehn-Taube)

Tschernobyl mit „Я“: Die Graphic Novel Tschernobyl – Rückkehr ins Niemandsland (Alexandra Ivanova)

„Saisho kara usodarake datta genpatsu“: Der Anti-AKW-Comic Denjirenjâ vs. Daishizengâ (Ina Hein)

Literarische Repräsentationen des Atomaren

Der literarische Zugang zu „Hiroshima“ für Kinder nachfolgender Generationen – Matsutani Miyokos Futari no Iida (Yôko Koyama-Siebert)

Die Wolke über Fukushima Daiichi. Eine Re-Lektüre von Die Wolke in vier Bildern (Sabine Jambon)

Nukleare Katastrophenszenarien in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur am Beispiel von Gudrun Pausewangs Noch lange danach (2012) (Iris Schäfer)

Der Hund, der in Fukushima blieb. Die Atomkatastrophe im dokumentarischen Kinderbuch Fura gâru to inu no Choko (Hilaria Gössmann)

Überleben im japanischen Atomstaat: Baraka – eine Kinderbiographie von Kirino Natsuo (Lisette Gebhardt)

Zeitzeugendokumentation, mediale Berichterstattung und zivilgesellschaftliches Engagement

Otto Karows „Kinder“ – Heranwachsende als Augenzeugen und Opfer des Atombombenabwurfs auf Nagasaki (Michael Kinski)

Mitteilungen an Politik und Administration: Briefe von Kindern aus Fukushima (Julia Fröhlich)

Raum-zeitliche Monitoringsysteme der radioaktiven Strahlenbelastung in Japan: Messungen, Klassifizierungen, Kartierungen und die Frage der Kinder (Thomas Feldhoff)

Die Ereignisse in Fukushima aus Sicht der Kinder und deren Wünsche an eine Berichterstattung (Maya Götz)

Takenouchi Maris Protestinitiative Save Kids Japan: Ein Fallbeispiel nach „Fukushima“ (Elena Hilgenberg)

Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche aus Fukushima: Das Beispiel der NPO EarthWalkers – Nichtgewinnorientierte Organisationen in Japan als Instrument zivilgesellschaftlichen Engagements (Andreas Singler)

Anhang: Zu den Verfasserinnen und Verfassern / Zum Projekt

Namensindex

Sachindex


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