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Ein Jahr nach Fukushima:
Reaktionen der japanischen Literaturszene auf die Dreifachkatastrophe

Lisette Gebhardt (Japanologie Frankfurt)

Work in Progress / Stand 24. Februar 2012

Diesen Aufsatz gibt es seit 2017 auch in englischer Übersetzung ("A year after Fukushima: Reactions of Japanese writers to the triple catastrophe"): http://www.textinitiative-fukushima.de/pages/projekte/japanologie-frankfurt/literarische-und-kuenstlerische-repraesentationen-von-fukushima-artikel-und-aufsaetze/lisette-gebhardt-a-year-after-fukushima-reactions-of-japanese-writers-to-the-triple-catastrophe.php?leptoken=7803a0406733c375eeee6z1513002205


»Kannst Du Japan sehen?«
»Nein.«
»Es muss versunken sein. Kannst Du auch keinen Rauch sehen?«
»Ich kann überhaupt nichts sehen...«

Komatsu Sakyô (1931-2011):  Japan versinkt (Nippon chinbotsu), 1973


Twitter, Zeitungsartikel, Magazinbeiträge und Monographien: Autoren melden sich zu Wort 


Foto: Tanja Christmann (2011)
(links Klick zum Vergrößern)

Unmittelbar nach den Ereignissen von Fukushima am 11. März 2011 kommentierten Schriftsteller die Lage in Japan – die ersten Nachrichten japanischer Autoren an die Welt stammen von Tawada Yôko (Der Tagesspiegel, 14. März), Saeki Kazumi (The New York Times, 15.3.), Murakami Ryû (The New York Times, 16.3.) und Ôe Kenzaburô (Le Monde, 17.3). Wenig später ließen sich Yoshimoto Banana (Spiegel, 18. 3.) und Kuroda Akira (FAZ, ab 16. März) vernehmen, gefolgt von Murakami Haruki (Preisrede in Barcelona, 9. Juni) und Takahashi Gen’ichirô (The Asahi Shinbun, 12. August 2011).

Die japanische Literaturszene befasst sich nun seit mehreren Monaten mit dem Großen Ostjapanischen Erdbeben (Higashi Nihon daishinsai) und seinen Folgen. Etliche Aufzeichnungen persönlicher Eindrücke über das Beben von der Stärke 9,0, die Flutwelle und die Havarie der Atommeiler an der Küste von Fukushima sind schon entstanden − von Autoren, die vor Ort im Nordosten leben, wie Saeki Kazumi (*1959), Gen’yû Sôkyû (*1956) und Wagô Ryôichi (*1968), von jenen, die wie Furukawa Hideo (*1966) in der Region geboren wurden, oder von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, die sich zu einem deutlichen Engagement bekennen wollen. So plant etwa Yû Miri (*1968) nach Fukushima zu ziehen, um aus nächster Nähe berichten zu können.

Schriftsteller wie Yû, die Lesereisen ins Ausland vereinbart hatten – Yû war Mitte Mai 2011 in Deutschland zu Gast –, diskutierten dort Japans aktuelle Lage. Am 12. September sprachen an der York University in Toronto japanische Autorinnen und Autoren vor einer kanadischen Öffentlichkeit zu ihren Erfahrungen im Zusammenhang mit den Geschehnissen. Beteiligt an der Gesprächsrunde waren Furukawa Hideo und Kawakami Hiromi (*1958) sowie der Übersetzer Shibata Motoyuki (*1954) und der Haiku-Dichter Ozawa Minoru (*1956).

Der Lyriker Wagô Ryôichi war vermutlich der Erste, der die Ereignisse in literarischer Form kommentierte: Auf Twitter verschickte er ab dem 16. März unter dem Motto Shi no tsubute (Pebbles of Poetry/Gedichtsteinchen) vierzig Gedichte, die später in bekannten Zeitungen, z.B. in der Asahi Shinbun, abgedruckt wurden und im Online-Lyrikmagazin Arabiki. International Journal of Poetry auf Englisch nachzulesen sind.


Cover: Haru wo urandari wa shinai

Schon im Juli 2011 lagen als Monographien einige umfangreichere Essays vor, die sich mit Fukushima, dem Erdbeben, dem Tsunami und der Bedrohung durch die atomare Verstrahlung auseinandersetzen: Datsugenpatsu-shakai wo tsukuru 30nin no teigen (Dreißig Argumentationen für eine atomfreie Gesellschaft), das Ikezawa Natsuki (*1945) mit dem Musiker Sakamoto Ryûichi (*1952) und anderen verfasste. Im September erschienen Taguchi Randys (*1959) Hiroshima, Nagasaki, Fukushima: Genshiryoku wo ukeireta Nihon (Hiroshima, Nagasaki, Fukushima. Japan und das Atomare) und Ikezawas Haru wo urandari wa shinai: Shinsai wo megutte kangaeta koto (Dem Frühling will ich nicht grollen: Gedanken anlässlich der Erdbebenkatastrophe). Gen’yû Sôkyû veröffentlichte im Dezember den kleinen Band Fukushima ni ikiru (In Fukushima leben) bei Futabasha.


Cover: en-taxi, Nr. 32

Auch die Literaturmagazine widmeten sich ab April 2011 der Dreifachkatastrophe. Das im Fusôsha Verlag (Teil des Medienkonsortiums Fujisankei Communications Group / Fuji Sankei Gurûpu) edierte, mittlerweile drei Mal im Jahr erscheinende Magazin en-taxi, Nr. 32 vom 26. April, betitelt seine Frühjahrsausgabe Kinkyû-tokushû higashi Nihon daishinsai (Eilsonderausgabe zum Großen Erdbeben von Ostjapan). Sie enthält Berichte zu Fukushima, darunter einen Ausschnitt aus dem Erdbebentagebuch von Saeki Kazumi und eine Notiz der Buch-Café-Besitzerin und Vermittlerin von Antiquariatskultur, Maeno Kumiko (*1969) aus Sendai. Außerdem beinhaltet das Heft unter der Überschrift Sakka-tachi no ‘ano toki’ to ‘ima, omou koto’ (Was die Autoren erlebten zu „jenem Zeitpunkt“ und „was sie jetzt denken“) fünfunddreißig kurze Kommentare verschiedener Mitglieder der Literaturlandschaft. Ebenso sind hier bereits fiktionale Arbeiten, die das Thema Erdbeben aufgreifen, zu lesen. Koike Masayo (*1959), Lyrikerin, Rezensentin sowie Autorin von Kurzgeschichten und Romanen, steuert einen Text, Teil eines Fortsetzungsromans (rensaku shôsetsu) bei, der – wie so oft bei Koike – von einer Musikadeptin handelt, die hier, angesichts der Bedrohung durch Radioaktivität ihre Vergangenheit hinter sich lässt und der Metropole Tôkyô den Rücken kehrt.


Cover: Waseda Bungaku 4/2011

Das Magazin Bungei Shunjû (Verlagshaus Bungeishunjû) veröffentlichte im September die Kurzgeschichte Mata tsugi no haru e – omajinai (Wieder bis zum nächsten Frühling – ein Zauberspruch) von Shigematsu Kiyoshi (*1963); der Autor schreibt aus der Sicht seiner Protagonistin über die vom Tsunami verschlungene Stadt ihrer Kindheit und über ihre aktuellen Eindrücke am betroffenen Ort. Ein halbes Jahr nach dem Beben, d.h. ab September 2011, reagiert die Verlagslandschaft mit der konzertierten Publikation von Fukushima-Themenheften: Die Zeitschrift Waseda Bungaku ediert in diesem Monat eine Ausgabe, die sich der Frage stellt, was die Literatur in den Zeiten der Katastrophe leisten kann. Einen Dialog führen Furukawa Hideo und Shigematsu Kiyoshi, eine ausgedehnte Diskussionsrunde wird mit Abe Kazushige (*1968), Kawakami Mieko (*1976) sowie mit dem Übersetzer David Karashima (*1979) und dem Redakteur Ichikawa Makoto (*1971) ausgetragen. Kurzprosa stammt von Furukawa, Shigematsu, Abe, Kawakami, Matsuda Akiko (*1979) und Makita Mayuko (*1980).

Gunzô (Zeitschrift für Literatur und Literaturkritik im Verlagshaus Kôdansha) bringt in seiner Mai-Ausgabe drei Sonderbeiträge zur Katastrophe, ein Zwiegespräch mit den Literaturkritikern Tomioka Kôichirô (*1957) und Yamashiro Mutsumi (*1960) sowie Notizen von Akasaka Norio (*1953) und Takahashi Katsuhiko (*1947), der seinen Beitrag kurz Higashi Nihon daishinsai nennt. Die Juni-Ausgabe enthält die auf die Ereignisse von Fukushima hin umgeschriebene Kurzgeschichte Kamisama von Kawakami Hiromi (auch Thema der Runde in Toronto); in der November-Nummer des Magazins Gunzô erscheint der Erstabdruck von Takahashis satirischem Roman Koi suru genpatsu (Das verliebte Atomkraftwerk).


Cover: Gunzô mit Bannen yôshiki shû

In der Ausgabe vom Januar 2012 wird Ôe Kenzaburôs „letzter Roman“ abgedruckt, in dem der Altmeister der Atomkritik unter dem Titel Bannen yôshiki shû / In Late Style sein für ihn typisches Familienszenario schildert, kombiniert mit Szenen aus dem ebenfalls oft thematisierten Dorf in den Wäldern von Shikoku. In die Erzählabschnitte sind Hinweise auf das aktuelle Unglück eingewoben, wenn der Protagonist zum Beispiel berichtet: „… seit dem 11.3. saß ich Tag und Nacht vor dem Fernseher und wurde von den fortlaufenden Bildern des Großen Ostjapanischen Erdbebens, des Tsunami und des Megaunfalls im Atomkraftwerk absorbiert.“ Überlegungen der Hauptfigur gehen dahin, seinen Sohn Akari vor den Auswirkungen der radioaktiven Strahlungen zu schützen und ihn in eine Höhle im heimatlichen Shikoku zu stecken, in der auch das Wasser, das vom Felsengrund her aufsteigt noch unbelastet sei (Ôe 2012: 10). Durch diese Versatzstücke aus der gegenwärtigen Realität wird das dem Leser seit Jahren vertraute apokalyptische Szenario Ôes zur gespenstischen Realität.


Cover: Soredemo sangatsu wa, mata

Fiktionale Adaptionen des Themas bot auch eine Anthologie von kürzeren Prosaerzählungen, die als Sonderheft des Magazins Shôsetsu Shinchô (Verlagshaus Shinchôsha) am 11. September publiziert wurde. Zum Heft trugen sieben Autoren und Autorinnen bei, die das Große Erdbeben von Ostjapan oder das Große Kansai Erdbeben (Hanshin Awaji daishinsai) erlebt hatten: Tsutsui Yasutaka (*1934), Takahashi Katsuhiko (*1947), Arikawa Hiro (*1972), Kondo Fumie (*1969), Sena Hideaki (*1968), Mayama Jin (*1962) und Gen’yû Sôkyû mit seiner Kurzgeschichte Koorogi (Grille); die beiden zuletzt genannten sowie Takahashi Katsuhiko behandeln in ihren Beiträgen das Ostjapanische Erdbeben. Ende Februar 2012 erscheint eine Zusammenstellung von Essays, Gedichten und Fiktionalisierungen unter dem Titel Soredemo sangatsu wa, mata (Trotzdem ist der März wiederum) im Verlag Kôdansha.


Cover: Koi suru genpatsu

Erste Beispiele längerer Prosa entstanden mit Furukawa Hideos Roman Umatachi yo, soredemo hikari wa muku de (Ihr Pferde, das Licht bleibt dennoch ohne Fehl) der am 29. Juli bei Shinchôsha publiziert wurde, und mit Takahashi Gen’ichirôs (*1951) schon erwähntem Koi suru genpatsu (Das verliebte Atomkraftwerk), erstveröffentlicht im Magazin Gunzô; als Monographie in gefährlich gelbem Schutzumschlag erschien der Beitrag am 17. November 2011. Yoshimoto Banana legte am 23. November mit Suito hiaafutâ (Sweet Hereafter), Gentôsha, ein weiteres Werk der im Journalismus als shinsai bungaku (Erdbeben-Literatur) adressierten Literatur nach Fukushima vor.

Eine Einschätzung der Situation Japans als Land der Erdbeben und der Atomkraft im Spiegel der Literatur publizierte im Februar 2012 der Chefredakteur der Asahi Shinbun, Sotooka Hidetoshi (*1953): Shinsai to genpatsu kokka no ayamachi – bungaku de yomitoku 「3•11」(Das Erdbeben und der Fehler des Atomstaats – literarische Aufschlüsse zu „3/11“); seine Anthologie, die aus Katastrophenliteratur verschiedener Literaten wie Camus, Kafka, Steinbeck und dem Verfasser des Hiroshima-Romans „Schwarzer Regen“ (Kuroi ame), Ibuse Masuji (1898-1993), besteht, versucht wie das Resümee zur literarischen Verarbeitung von Unglücksfällen, das in der Waseda Bungaku, 4/2011 abgedruckt wurde, Lehren aus den Beiträgen der Literatur zu ziehen und eigene Eindrücke vom Ort des Geschehens mit den literarischen Darstellungen abzugleichen.

 


Nachrichten an die Welt

Saeki Kazumi aus Sendai, Präfektur Miyagi, ist ein im Westen noch kaum bekannter Autor – der für die New York Times übersetzte Artikel „In Japan, No Time Yet for Grief“ vom 15. März schildert sein persönliches Erleben des Erdbebens und gibt dem anglophonen Raum eine erste Beurteilung des Geschehens, wobei Saeki schon relevante Themen aufgreift, die in den folgenden Berichterstattungen weiterhin zum Tragen kommen. Zum einen widerspricht der Autor dem – auch von einigen Kollegen kolportierten – inländischen Klischee, die Leute aus dem Norden Japans wiesen angesichts schrecklicher Ereignisse stets eine besonders ruhige, zurückhaltende Gemütsverfassung auf: „Im Strudel eines unvorstellbaren Desasters hatte man noch keine Zeit dafür, Trauer, Gram und Wut zu empfinden“ (Saeki 2011). Damit dementiert er früh eine Ansicht, die sich bald als Stereotyp für ganz Japan in weiten Teilen der internationalen Presse etablieren sollte. Ohne Bedenken nimmt der Autor zudem sofort Bezug auf das havarierte Atomkraftwerk und stellt eine verhängnisvolle technologische Wahl in Frage, die nun ihren hohen Preis fordere.

In der Le Monde äußert sich Ôe Kenzaburô (*1935) dahingehend, dass Japan erneut eine nukleare Katastrophe erlitten habe und die japanische Geschichte mit Fukushima in eine neue Phase getreten sei. Der Literaturnobelpreisträger eröffnet eine historische Perspektive, die an Japans Verantwortung für die Opfer von Hiroshima und Nagasaki erinnert. Zugleich artikuliert Ôe erneut seine Agenda der Kritik am Konzept einer friedlichen Nutzung von Atomenergie. Er plane einen letzten großen Roman, mit dem er nichts weniger als eine Neuschreibung der japanischen Zeitgeschichte beabsichtige. Hier sollen die Erfahrungen von Hiroshima und Nagasaki verarbeitet werden, ebenso wie man die Sicht atomarer Opfer im gesamtpazifischen Raum und die der Verstrahlten von heute berücksichtigen müsse (Ôe 2011).

Murakami Ryû (*1952) betont in der New York Times eine Hoffnungsperspektive und bewertet die Krise als Chance. In seinen Überlegungen herrscht die Kritik an einer saturierten japanischen Konsumgesellschaft vor, wenn er konstatiert: „But for all we’ve lost, hope is in fact one thing we Japanese have regained. The great earthquake and tsunami have robbed us of many lives and resources. But we who were so intoxicated with our own prosperity have once again planted the seed of hope. So I choose to believe“ (Murakami Ryû 2011).

Murakami Haruki (*1949) hatte zunächst auf Presseanfragen nicht reagiert und sich erst am 9. Juni im Rahmen der Verleihung des International Catalunya Prize für sein Werk geäußert. Der immer wieder als kommender japanischer Nobelpreisträger gehandelte, weltweit bekannte Autor bezieht sich ebenso wie Ôe auf Japans schweres Erbe im Hinblick auf Hiroshima und Nagasaki. Weil man das Versprechen an die Opfer der Atombombe nicht ernst genug genommen habe, sei auch den japanischen Bürgern eine Mitschuld an der aktuellen nuklearen Katastrophe zuzuschreiben. Die Schuld träfe nicht nur die Regierung und die Stromkonzerne, sondern alle, die bedenkenlos der Effizienz der Atomreaktoren vertraut hätten. Im Detail kritisiert der Autor, dass man nur allzu gerne der Propaganda der Atomlobby aufgesessen sei und dem Mythos von der sicheren Technologie geglaubt habe. Profit und Bequemlichkeit hätten an erster Stelle gestanden, Atomkraft habe als alternativlos gegolten. Menschen, die es gewagt hätten, die Nuklearenergie in Frage zu stellen, seien als „unrealistische Träumer“ verspottet worden. Für die Zukunft fordert er eine Absage an das Atomare und den Mut, eben zum „unrealistischen Träumer“ zu werden. An der Hoffnung, dass Japan die Katastrophe überwinden werde, hält Murakami fest. Man könne auf den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg Bezug nehmen und „von diesem Referenzpunkt ausgehend“ erneut beginnen, an der Erholung  des Landes zu arbeiten (Murakami Haruki 2011). Die Preissumme von 80.000 Euro spendete er für die Opfer der Katastrophe.

 


„Fukushima-Literatur“ in Übersetzung

Die Zeitschrift Waseda Bungaku möchte sich ebenfalls engagieren und unterhält derzeit das „Japan Earthquake Charity Literature“-Projekt, das auf der Homepage des Waseda Bungaku Editorial Department, d.h. des Redaktionsbüros, einzusehen ist. Die Herausgeber beabsichtigen Werke japanischer Schriftsteller auf der Seite in englischer Übersetzung bereitzustellen. Ichikawa Makoto, Direktor der Zeitschrift, beschreibt im September das Projekt folgendermaßen: „This program aims to give serious thought to the desaster and accident, then bring these words that were born, directly or indirectly, through this thought process, to people across the world. We hope that after reading these texts you will choose to make a donation to the Red Cross in Japan or in your country or another charity. We hope that these pieces, written for ourselves as much as for anyone else, will reach people around the world, and eventually, in some small way, also serve to help the people in Northern Japan who are now working hard to rebuild their lives” (Ichikawa 2011).

Waseda Bungaku erbittet von demjenigen, der die Texte abruft, eine freiwillige Spende. Zu dieser Aktion beigetragen haben Furukawa Hideo, Abe Kazushige, Kawakami Mieko, Toh EnJoe (*1972), Fukunaga Shin (*1972), Yoshikawa Yasuhisa (*1951), Aoki Jungo (*1979), Matsuda Aoko (*1979), Murata Sayaka (*1979), Nakamura Fuminori (*1977), Nakamori Akio (*1960), Kinoshita Furukuri (*1981), Makita Mayuko (*1980), Kashimada Maki (*1976) und Shigematsu Kiyoshi. Bis März bleibt die Seite offen für Zugriffe.


Cover: March Was Made of Yarn

Ein Jahr nach Fukushima präsentieren zwei Verlage Sammelbände mit Arbeiten japanischer Autoren in Übersetzung. Eine englische Anthologie, herausgegeben von David Karashima, Beschäftigter der Nippon Foundation und Mitbegründer der Read Japan Initiative, einer Vereinigung von Autoren, Übersetzern, Verlagen und Universitäten zur Förderung der Übertragung japanischer Literatur, und Elmer Luke, erscheint am 31. März unter dem Titel „March Was Made of Yarn: Reflections on the Japanese Earthquake, Tsunami and Nuclear Meltdown“. Das Projekt wurde mit den Verlagen Kôdansha, Vintage Publishing und Harvill Secker verwirklicht. Der bereits erwähnte japanische Originalband wird unter dem Titel Soredemo sangatsu wa, mata am 25. Februar erscheinen und enthält Beiträge von zahlreichen Verfassern, zehn der Beiträge entstanden als Originaltexte.

In der englischen Übersetzung sind folgende Titel aufgelistet: “The Island of Eternal Life” von Tawada Yôko, “The Charm” von Shigematsu Kiyoshi, “Nightcap” von Ogawa Yôko, “God Bless You“, 2011 with postscript and original 1993 version von Kawakami Hiromi, “March Yarn” von Kawakami Mieko, “Lulu” von Ishii Shinji (*1966), “Grandma’s Bible” von Ikezawa Natsuki, “Pieces” von Kakuta Mitsuyo (*1967), “Sixteen Years Later, in the Same Place” von Furukawa Hideo, “The Crows and the Girl” von Brother & Sister Nishioka, “Box Story” von Akikawa Tetsuya (*1962), “Hiyoriyama” von Saeki Kazumi, “Ride on Time” von Abe Kazushige und “Little Eucalyptus Leaves” von Murakami Ryû. Auch drei englische Beiträge von J. D. McClatchy (“One Year Later“), “Dream from a Fisherman’s Boat” von Barry Yourgrau und “After the Disaster, Before the Disaster” von David Peace sind enthalten. In der Ankündigung heißt es: „On March 11, 2011, a massive earthquake occurred off the northeastern coast of Japan, triggering a 50-foot tsunami that crushed everything in its path − highways, airports, villages, trains, and buses − leaving death and destruction behind, and causing a major radiation leak from five nuclear plants. Here eighteen writers give us their trenchant observations and emotional responses to such a tragedy, in what is a fascinating, enigmatic and poignant collection”.


Cover: L’archipel des séismes

Eine französische Anthologie mit Übersetzungen aus japanischen Magazinen trägt den Titel „L’archipel des séismes. Ecrits du Japon après le 11 mars 2011“ (Die Insel der Erdbeben. Texte aus Japan nach dem 11. März 2011; Erscheinungsdatum 24. Februar); für diese Sammlung von zehn Texten u.a. von Tanikawa Shuntarô (*1931) und Kakuta Mitsuyo bei Editions Philippe Picquier zeichnen Corinne Quentin vom Bureau des Copyrights Francais in Tôkyô und Cécile Sakai verantwortlich.

 


 


Positionen der Heilung, Positionen des Protests

Viele japanische Literaten sehen es „nach Fukushima“ als ihre dringende Aufgabe an, Worte zu finden, die einem Unglück von welthistorischen Ausmaßen gerecht werden. Einige appellieren an die geschichtlich bedingte Verantwortung des Landes in Sachen des Atomaren und an den Gestaltungwillen einer Nation mündiger Demokraten, sich künftig an Entscheidungen über die Energiepolitik Japans konsequenter zu beteiligen. Andere wollen vor allem ihre Anteilnahme mitteilen, den Betroffenen Mut zusprechen und einen Hoffnungshorizont für die Zukunft eröffnen.

Yoshimoto Banana (*1964) hebt in ihrem Artikel „Ein weiter Weg“ hervor, dass sie in ihrer künftigen literarischen Arbeit den therapeutischen Aspekt betonen und dabei helfen möchte, das  Trauma von 3/11 zu lindern: „Noch nie bin ich so dankbar und glücklich gewesen wie jetzt, mit meiner Arbeit einen Beitrag leisten zu können, und solange ich lebe, will ich schreiben und meine Gedanken und Gefühle mit anderen Menschen teilen“ (Yoshimoto 2011a).

Einen ähnlichen Zugang zum literarischen Umgang mit „Fukushima“, der ganz auf der Artikulation von Gefühlen und auf der Botschaft des in Gemeinschaftlichkeit vollzogenen Wiederaufbaus basiert, weisen die Gedichte von Wagô Ryôichi auf: „We are Fukushima. / We won’t give up on Fukushima. / The light of Fukushima, the clouds of Tohoku, the history, the lives, the kindheartedness, the fathers and mothers, the Abukuma river, the twinkling of the stars, the smiles of children, ... we believe in all those „Fukushimas“. / 3.11. In order to seize “Fukushima” back from that day, we shall come together in the middle of August to make a declaration to the world. / We will not give up our dreams, we will not give up on ourselves, we will not give up on Fukushima, we will not give up on Japan. / Let us look up to the blue skies of Fukushima. / To the light and the clouds and the lives. / To father sky. / To mother earth. / In the fields of Fukushima, / in the grounds of Fukushima, / for the heartbeat of Fukushima, / for you, / we will be waiting” (Wagô 2011).

Gegen diese Zeilen, die voller Emphase eine Renaissance der Region sowie des Landes Japan aus der Natur beschwören, ist zunächst einmal nichts einzuwenden, ebenso wenig gegen die legitime Auffassung, literarische Arbeit als Bibliotherapie zu verstehen. Dennoch fragt man sich im Fall Fukushima auch nach einer Literatur, die politische Entwicklungen kommentiert und dem Erstarken einer kritischen Öffentlichkeit in Japan den Weg bereiten könnte.

Yoshimoto wehrt das Politische kategorisch ab: „Als Schriftstellerin möchte ich keine platten politischen Statements von mir geben. Vielmehr versuche ich in meinem Schaffen – nicht nur für mich – das strahlende, funkelnde Licht des Lebens einzufangen.
Was uns in schwierigen Zeiten hilft, sind Menschen, die wir lieben, mit denen wir unser Essen teilen, und nicht zuletzt Musik, Filme, Bücher. Wir tauchen ein in eine andere Welt, lassen für eine Weile unsere Herzen fliegen, schöpfen frische Kraft und kehren in die raue Realität zurück. Das ist Balsam für die Seele“ (Yoshimoto 2011a).

Nach staatstragender Prosa klingt es, wenn sie – im Spiegel Mitte März 2011 nachzulesen – in einen forciert munteren Optimismus verfällt und die Fähigkeiten der japanischen Ingenieure sowie die der japanischen Menschen an sich lobt. Die Informationsrestriktion der offiziellen Medien begrüßt sie – man solle dem Staat vertrauen und sein Lächeln nicht verlieren. Yoshimotos Unterstützung der Regierung  mag als Versuch interpretiert werden,  Panikstimmung und Verzweiflung zu unterdrücken, die Trennlinie zwischen der Stiftung von Zuversicht und der national anmutenden Geste bleibt allerdings dünn.

Gen’yû Sôkyû, Priester des Fukujûji-Tempels in Miharu-machi, hat als Mitglied des fünfzehnköpfigen Komitees Higashi Nihon Daishinsai Fukkô Kôsô Kaigi / Reconstruction Design Council (東日本大震災復興構想会議), zu dem auch der Architekt Andô Tadao (*1941) und der nicht unumstrittene Kulturphilosoph Umehara Takeshi (*1925) zählen, eine wichtige Rolle inne. Gen’yû ist als Akutagawa-Preisträger der einzige anerkannte Literat, dem bezüglich „Fukushima“ eine offizielle Stimme verliehen wurde.


Cover: Fukushima ni ikiru

Sein Essayband Fukushima ni ikiru vom 4. Dezember 2011 besteht aus vier Kapiteln, die sich mit den Vorgängen nach 3/11 befassen, mit Fukushima, wie es Tôkyô wahrnimmt (Kapitel 3), mit dem Wiederaufbau und dem Verlorenen (2) sowie mit der Entscheidung trotz allem in Fukushima zu bleiben (4). Im einzelnen äußert sich der Verfasser zu seinen Erfahrungen nach dem Beben und seinen Gedanken, nachdem die Zerstörung des Atommeilers bekannt wurde; er kommentiert dann den Entschluss, zusammen mit seiner Frau doch im Tempel auszuharren sowie die seiner Meinung nach ungenügenden Maßnahmen der Regierung und des für die Atommeiler verantwortlichen Stromkonzerns TEPCO. Thematisiert werden im weiteren die Informationsvermittlung und Reaktion der Medien und die Umsiedlung und Vereinsamung der Menschen in Fukushima, die sich nun einer nie gekannten Herausforderung stellen müssten, sowie die sich mehrende Zahl tragischer Selbstmorde aus Verzweiflung (zetsubô-shi; Gen’yû 2011: 72) – es handelte sich dabei meist um Senioren – und die bedauerlichen Todesfälle, zu denen es nach dem Unglück u.a. aufgrund von Erfrierungen in den von der Gaszufuhr abgeschnittenen Häusern kam; als problematisch sieht es der Autor auch an, wenn sich die beschädigte soziale Gemeinschaft nicht wieder festigen kann und viele isolierte Menschen einen einsamen, d.h. unbemerkten Tod (kodoku-shi) sterben.

Im dritten Kapitel berichtet er über Telefonate mit der japanischen Regierung, die Ernennung zum Mitglied des Wiederaufbaurates und über seinen Eindruck von der Eröffnungsrede Umehara Takeshis. Der Ehrenvorsitzende des Rates habe vorgetragen, dass man auf höchstem Niveau Gespräche pflegen wolle − mit der Absicht, dergestalt dem japanischen Volk Mut zu machen (Nihon kokumin wo yûkizukeru; S. 106) und ihm hinreichend Motivation zum Wiederaufbau zu geben. Darüber hinaus hätte man mit gelungenen Planungen auch „dem Ausland gegenüber zu bestätigen, wie formidabel das japanische Wissen gewesen sei“ (gaikoku ni taishite Nihon no chie wa rippa datta); man solle die Ergebnisse in überzeugenden Sätzen ins Englische, Französische, Chinesische, Koreanische und Russische etc. übersetzen (S. 106-107). Für Umehara, der sich an anderer Stelle ähnlich äußert, zeigt sich die Katastrophe von Fukushima in erster Linie als eine „Zivilisationskatastrophe“ (bunmeisai), die vom anmaßenden Umgang der Moderne mit Technik zeuge; es gelte nun eine altruistische Gesinnung zu etablieren. Gen’yû pflichtet dem bei und möchte dazu noch das Verhältnis zwischen Stadt und Region überdacht wissen. Erstaunt zeigt er sich anderentags von den Medienmeldungen, die nach dem Treffen des Rates eine Wiederaufbau-Steuer bekannt geben, die so aber nicht im Kreis der Gelehrten beschlossen worden war. Mit vor „Wut heißem Kopf“ fragt sich der Priester nach dem Sinn der Veranstaltung (S. 110).

Insgesamt gelangt Gen’yû zu der Einschätzung, nur mit frontier spirit (S. 93) könne man jetzt der Lage in Ostjapan begegnen, und fordert etliche kurz -und langfristige Maßnahmen im Hinblick auf die Stress- und Traumabewältigung, die zukünftige Gesundheitsversorgung in der Region Tôhoku und einschlägige Forschungszentren. Planungen seien ebenso erforderlich im Bereich der sukzessiven Dekontamination der Natur und im weiteren Konzepte für eine Umstellung der Energieversorgung auf Recycle-Energien. Der Priester möchte Fukushima und sein Land auf keinen Fall aufgeben.

In einem im Magazin Subaru, Dezember 2011, veröffentlichten Interview von Gen’yû Sôkyû mit dem ebenfalls nicht unumstrittenen Kulturanthropologen, Publizisten und als „spirituellem Intellektuellen“ bekannten Nakazawa Shin’ichi (*1950) spricht Gen’yû in seiner Rolle als Zen-Priester und Vertreter seiner Region über das Thema Mujô kara no sai-shuppatsu (Ein neuer Aufbruch im Geiste des mujô-Prinzips). Nakazawa hatte sich seinerseits in der Debatte um Japans Entwicklung nach Fukushima hervorgetan, indem er im August 2011 bei Shûeisha den Band Nihon no daitenkan (Japans große Wende) veröffentlichte und die Gründung einer grünen Partei ankündigte. Beider Positionen treffen sich in der Ablehnung der Atomkraft und dem Wunsch, künftig neue nachhaltige Energien nutzbar zu machen. Nakazawa zeigt sich enttäuscht über den mangelnden Fortschritt im Wiederaufbaurat, in dem sich die Meinungen der Philosophen und Geistlichen offensichtlich gegenüber den Argumenten der Praktiker kaum haben durchsetzen können. Gen’yû beruft sich wieder auf Umehara und seinen zivilisationskritischen Diskurs, der, seiner Meinung nach, zu Beginn des Unterfangens eine richtige Richtung vorgegeben hätte. Nakazawa merkt an, dass zwischen dem Kultur- und dem Techniklager kein Dialog zustande käme – eine traditionelle Dichotomie, die sich bis in die japanische Moderne hinein verfolgen ließe. Beide bekräftigen jedoch die bemerkenswerte Fähigkeit zum Neuanfang, die den Japanern eigen sei und beschwören ganz in der Tradition des „spirituellen Diskurses“ die Kraft der japanischen Natur.

Gegen den Mythos des japanischen Kollektivs, der landeseigenen Natur und gegen andere aufkeimende Nationalismen, die in zahlreichen Medien kolportiert wurden und werden, wendeten sich schon früh die Fürsprecher einer klareren Sicht auf die Dinge. Darunter zählt die Psychiaterin und Publizistin Kayama Rika, die im Zusammenhang mit der Intonierung von Floskeln wie „Japan, halt durch“ (ganbare Nippon!), „Jetzt: Zeit, eins zu werden“ (ima , hitotsu ni naru toki), „Japan ist ein starkes Land“ (Nihon wa tsuyoi kuni da) und „Hin zur Renaissance eines neuen Japan“ (atarashii Nihon no fukkô e) im Magazin Aera von einem „Wiederaufbaunationalismus“ (fukkô nashonarizumu; Kayama 2011) spricht und damit in erster Linie die Betroffenen vor Ort in Schutz nehmen möchte.

Nicht alle Vertreter der japanischen Literatur- und Kulturszene gerieten, im Bestreben Mut zu machen, in die Gefilde lokal- und nationalpatriotischer Emotionalität. Murakami Haruki argumentiert in seiner Rede in Barcelona zwar auch mit dem Gemeinsinn und mit der Metapher des dörflichen Kollektivs, das in „schlichter, rustikaler und geduldiger Arbeit“ seine „ruinierten Werte“ wiederherstellt, betont an anderer Stelle jedoch, dass er sich als „Weltbürger“ verstehe. Folgerichtig denkt er, wie es seine Äußerungen nahelegen, über enge Landesgrenzen hinaus: „Und der Schaden beschränkt sich nicht auf Japan. Es tut mir wirklich leid, dass unsere Nachbarstaaten auch betroffen sein könnten“. Vor internationalem Publikum macht sich Murakami Gedanken über eine japanische Mentalität, die Naturkatastrophen ertragen und offenbar in Ästhetik sublimieren kann. Dabei bemüht er ebenfalls das Konzept des mujô, das in „die japanische Seele eingebrannt“ sei und „sich von Urzeiten bis heute kaum verändert“ habe.

Während Murakamis Einlassungen zur statischen Wirkkraft von mujô etwas befremden und auch das Bild vom Schriftsteller, der die „Saat neuer Geschichten ausbringt“, die „wie Lieder beim Säen auf dem Feld“ sind und „die Menschen mit ihren Rhythmen bestärken“ (Murakami 2011) aufgrund der ethno-romantischen Metaphorik nicht ganz glücklich gewählt ist, wird der in seiner typischen sanften Tonlage mutmaßende Autor dann doch deutlicher, wenn es um die Atomkraft geht.

Katayama Kyôichi (*1959) belegt seinerseits einen weiten Horizont, wenn er in seinem am 4. Juli 2011 in der Asahi Shinbun erschienenen Artikel die Folgen der Katastrophe aus dem Blickwinkel „Japan und die Welt“ wahrnimmt: „Die einmal produzierte Radioaktivität kann der Mensch nicht wieder auslöschen. Die radioaktive Strahlung breitet sich über den ganzen Erdball aus und wird so, ob man es will oder nicht, zu einer gemeinsamen Angelegenheit der ganzen Menschheit. Radioaktive Strahlung, die auf den Unfall in Tschernobyl zurückgeht, ist auch in allen Gegenden Japans nachweisbar. Diesmal hat Japan das Gleiche getan − und während die Menschen im Ausland voll Mitgefühl ihre Hände zur Unterstützung der Erdbebenopfer ausgestreckt haben, sieht die Welt mit strengem Blick auf den Atomunfall und die Entwicklungen danach. Noch ist kein Ende der Havarie in Sicht. Wenn in dieser Lage nun die einstweilen außer Betrieb genommenen AKWs wieder hochgefahren werden, wird Japan das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft wohl endgültig verspielen“ (Katayama 2011).

Als beständigster Antinuklear-Aktivist erweist sich Ôe Kenzaburô, der sich zusammen mit den Autorinnen Ochiai Keiko (*1945), Setouchi Jakuchô (*1922) und Sakamoto Ryûichi bei aktuellen Aktionsbewegungen wie Sayonara Genpatsu 「集会さよなら原発」gegen die Atomkraft engagiert. Kundgebungen fanden im September in Tôkyô im Nihon Seinenkan und im Meiji Park statt. Anlässlich eines Interviews mit der taz am 3. April kritisiert Ôe wiederholt die einseitige Ausrichtung Japans an Wissenschaftsgläubigkeit und ökonomischen Interessen, eine Haltung, die es ermöglicht habe, atomare Energie zu akzeptieren, obwohl diese nicht von Einsatz des Atomaren als Waffe getrennt werden könne und dieselben Gefahren berge. Erneut mahnt er auch: „Und führt uns die jetzige Katastrophe nicht vor Augen, dass die Japaner mit ihrem Interesse für atomare Energie die Atombombenopfer von Hiroshima verraten haben? Auf dem Kenotaph im Friedenspark von Hiroshima steht der Schwur: ‘Ruhet in Frieden. Wir werden diesen Fehler nicht noch einmal begehen’“. Über sein aktuelles literarisches Projekt, an dem er schrieb, als die Ereignisse von Fukushima ihren Lauf nahmen, meint er: „Die radioaktive Wolke wird sich über ganz Japan ausbreiten, und mein Roman wird wohl die letzte schwierige Etappe in meinem Leben als Schriftsteller sein. Mein Roman soll aber enden mit der Zeile: ‘Lasst uns die Sterne betrachten.’ Was bedeutet, einen Schritt aus der Hölle zu tun“ (Ôe 2011a).

Der Nobelpreisträger von 1994 muss den Grund seiner langjährigen Appelle und seine Kritik am Atomstaat auf schlimmste Weise bestätigt sehen und erweitert seinen Textkosmos um die reale Dimension des Apokalyptischen. Auch andere kritische Autoren versuchen jenseits der Bibliotherapie eine Sprache zu entwickeln, die das Geschehene in einer angemessenen und komplexen literarischen Reaktion wiedergibt.


Cover: Me no umi

Der Lyriker, Journalist und Akutagawa-Preisträger aus dem Jahr 1991, Henmi Yô (*1944), der aus der Stadt Ishinomaki, Präfektur Miyagi, stammt, betont mit seinem – kürzlich mit dem Takami Jun-Preis ausgezeichneten – Lyrikband Me no umi (Das Meer der Augen) vom November 2011, dass es nicht die Vermeidung der Verbalisierung von Problemen und eine oberflächliche Freundlichkeit sei, die den Menschen im Angesicht der Katastrophe weiterhelfe, sondern ernste, gehaltvolle Worte, die das Wesen der Tragödie erfassten; diese gelte es jetzt in Opposition zu den anhaltenden Chören mit ihren Durchhalteparolen zu finden.


Cover: Gareki no naka kara kotoba wo

„Das Meer der Augen“ thematisiert die Nähe des Todes, der Toten und eine der offiziellen Narration von Heilung und Wiederaufbau entgegensetzte Aura des Wahnsinnigen, die der Autor im Sommer nach der Katastrophe spürt und ihn Bilder der Vernichtung, Verwirrtheit und der Gewalt imaginieren lässt. Auch der am 10. Januar 2012 erschienene Beitrag Gareki no naka kara kotoba wo – watashi no ‘shisha’ e (2012; Worte aus dem Schutt – für meine „Toten“), das Ergebnis einer Reportage in Fukushima, versucht dem alltäglichen Schrecken vor Ort gerecht zu werden. Henmi fragt wie auch Furukawa nach einer adäquaten Sprache nach 3/11, einer Sprache, die nicht die Litanei „Wie sollte Japans Renaissance von statten gehen“ endlos wiederholt, sondern gemäß dem Vorbild der Nachkriegsschriftsteller etwas zu gestalten vermag, das sich dem Schweigen der „Toten“ (shisha) vermittelt (Henmi 2012).

 


Erste fiktionale Prosatexte

Mit Yoshimoto Bananas Sweet Hereafter (erschienen am 23. November, Gentôsha), Furukawa Hideos Umatachi yo, soredemo hikari wa muku de (Ihr Pferde, das Licht bleibt dennoch ohne Fehl; Shinchôsha, 29. Juli), und Takahashi Gen’ichirôs am 17. November bei Kôdansha publiziertem Roman Koi suru genpatsu (Das verliebte Atomkraftwerk) liegen drei längere Prosatexte vor, die den Beginn der noch jungen Geschichte der shinsai bungaku oder Post-Fukushima-Literatur in Japan markieren.

Takahashi, der im übrigen aus der Präfektur Hiroshima stammt, geht die Thematik auf seine typische Art der grotesken Parodie an − voll des Spotts gegen die Normen der japanischen Medienwelt − und verhindert so jede aufkommende Pathetik schon zu Beginn des mit Atomwarnzeichen versehenen giftgelben Buchs. Die Geschichte, die eine Lachdemontage der japanischen Gesellschaft und ihres akuten Atomproblems beabsichtigt, setzt bei den Aktivitäten des männlichen Protagonisten an, der für ein Charity-Projekt zugunsten der Opfer von Fukushima Spenden sammeln will – mit dem Erlös für eine Adult-Video-Produktion, in die er sich voller Elan stürzt.

Ein Motto des Buchs lautet „Stay Crazy“, ein anderes „Dies widme ich all den Toten … eine allzu leichtfertige Aussage“. Zur Vorwarnung kann der Leser, dem es nun endgültig klar geworden sein dürfte, dass Takahashis „Verliebtes Atomkraftwerk“ keine Literatur mit einem „Heilungsanspruch“ im üblichen Sinn ist, auf der siebten Seite dann noch lesen: „Ich muss nicht eigens erwähnen, dass es sich hier um reine Fiktion handelt. Einzelne Übereinstimmungen mit der Realität sind rein zufällig. Würden Sie denken, auch nur ein winziger Teil des hier Geschriebenen könne sich in der Wirklichkeit ereignen, liegt das daran, dass Sie wirr im Kopf sind. Eine derart verrückte Welt existiert doch wohl nicht. Suchen Sie in diesem Fall umgehend eine Psychoklinik auf! Jetzt! Sofort! Das ist der einzige Rat, den ich Ihnen geben kann. Tja, bis dann“ (Takahashi 2011: 7). 

Indem der Autor Vokabeln der Energiedebatte nach Fukushima – etwa jika hatsuden (eigene, „inhäusige“ Stromerzeugung) – mit der Konnotation der Onanie in einen pornographischen Kontext stellt, demontiert er offizielle, beschwichtigende Redeweisen künftiger energetischer Verantwortlichkeit. Noch deutlicher wird Takahashi, wenn er die nationale Aufmunterung, die sich in den Formeln Ganbare, Nippon (Halt durch, Japan!) und Nippon wa hitotsu (Japan ist eins!) widerspiegelt, als aufdringliche Slogans anzweifelt, es aber jedem großzügig überlässt, diese Sprüche zu akzeptieren, sollte er an ihnen eventuell gar nichts Anstößiges finden. Auch die Charity-Geste hinterfragt er und wirft mit Zitationen öffentlicher Verlautbarungen wie „Den Erlös dieses Werks spenden wir vollständig den Opfern der Katastrophe“ (Wareware wa, kono sakuhin no uriage wo subete, hisaisha no minasan ni kifu shimasu; S. 17) die Frage auf, ob mit derlei Lippenbekenntnissen wirklich viel gewonnen ist oder ob nicht damit die Unauslöschlichkeit des Leids der Betroffenen und die Tatsache, dass die Dinge eben nicht so einfach wieder gut zu machen sind, zugunsten der Schaffung eines guten Gewissens aufseiten der Spender, inklusive einer werbetaktisch klugen Außendarstellung der jeweiligen Organisation, konterkariert wird.


Cover: Umatachi yo, soredemo hikari wa muku de

Furukawa Hideo dagegen ist ganz Einfühlung in die Katastrophensituation vor Ort. Der Protagonist von „Pferde“, der von sich als Ich-Erzähler berichtet, weist viel autobiographische Ähnlichkeit mit dem Verfasser des Texts auf, zumal beide Schriftsteller sind und das erzählende Ich ebenso wie Furukawa einen Roman mit dem Titel Seikazoku (Die heilige Familie) geschrieben hat; das Buch wurde 2008 bei Shûeisha veröffentlicht. „Seit jenem Tag“, eine Anspielung auf das Erdbeben vom 11. März, hat die Hauptfigur ihr Zeitempfinden verloren, wir erfahren jedoch, dass er eine Geschichte aus Seikazoku anläßlich einer Charity-Veranstaltung in Shibuya vorträgt und dort auf ein Mädchen aus Fukushima trifft. Ein Leitmotiv stellt der eingangs schon empfangene drängende Ruf dar, sich auf die Reise ins nordöstliche Japan zu machen: „Die Stimme äußerte einen einfachen Befehl: Geh dorthin!“ (Furukawa 2011: 5). Einen Monat nach der Katastrophe begibt sich der Autor in der Erzählung nun nach Hamadôri in der Präfektur Fukushima, trifft dort auf eine verwüstete Landschaft und die Hinterlassenschaften des Unglücks.

Der alter ego-Protagonist begegnet Menschen und Pferden, überlegt sich, welche Worte er als Autor für die Situation wählen soll und rekurriert dabei auf den bekannten Literaten Miyazawa Kenji (1896-1933), der wie er aus Tôhoku stammt. Im Zusammenhang mit Miyazawa erwähnt das literarische Ich den Philosophen Umehara und seine Rolle als Mitglied des Reconstruction Design Council; es hebt hervor, dass dieser sich zurecht geweigert hätte, den Vorschlag der Regierung anzunehmen, das Problem der atomaren Verstrahlung bei den Konzepten für den Wiederaufbau der Region auszuklammern (S. 47). Von Umeharas Miyazawa-Rezeption aus dessen Band Nihon no shinsô (1983; Die Tiefenschichten Japans) inspiriert, möchte der „Autor“ also nachdenken und berichten. Und er beschließt zu schreiben, über die Tiere in der bedrohten Zone, über die Insel Japan, über ihre Geschichte und ihre Gegenwart, in der das Eiland scheinbar immer noch isoliert von der Welt seine eigene Geschichte ableisten und sein Einzelschicksal fristen muss: „Bin Laden. Den hatte man töten können. Wir sind natürlich nicht in einer solchen Lage. Wir, die Augenzeugen der japanischen Tragödie. Was sollen wir tun? Wir können niemanden hassen. Und so bleibt uns nur die Hoffnung“ (S. 109).

Furukawas Text stellt sich mit den thematischen Sprüngen und dem wechselnden Register zwischen autobiographisch-literarischem Selbstzitat, Reportage aus Fukushima, Kommentar zur Lage der Nation, bibliotherapeutischer Ambition und schriftstellerischer Positionierung fragmentiert dar; der Autor hebt auf die regionalen Überlieferungen Tôhokus ab, ebenso wie er sein alter ego die Bedeutung des Romaneschreibens als zukünftige Aufgabe betonen lässt. Der Protagonist und sein Autor zeigen sich ebenso bemüht wie ratlos, eine geistige Achse identifizieren zu können, die der Region und ganz Japan Stärke verleihen könnte.


Cover: Sweet Hereafter

Yoshimoto Banana zielt in Sweet Hereafter, wie sie es angekündigt hat, auf die heilende Funktion ihrer Literatur ab; sie versucht mit einem Text über den schweren Autounfall eines jungen Paares eine tröstliche Atmosphäre zu schaffen: Die Frau muss, nach dem Tod des Partners konfrontiert mit der Schwärze ihrer Verzweiflung und mit Geistererscheinungen, ihr Trauma überwinden und die Kraft zum Weiterleben finden.

 

 

 


Kontinuitäten, Standortwechsel, Empörungen: Eine neue Literatur nach Fukushima?

Ob die japanische Literatur gegenwärtig eine neue Richtung einschlägt, sich dabei als Medium der Reflexion bewährt, sich von der Bestsellermaschinerie der letzten Jahre befreit und repolitisiert, bleibt ein Jahr „nach Fukushima“ ein offene Frage.

Spektakuläre Empörungen waren bislang nicht zu vernehmen, die Autoren sind weitgehend ihrem Genre, ihrem Stil und ihrer intellektuellen Haltung treu geblieben. Aus diesem Grund erfuhr Ôe Kenzaburô als Literat des Gewissens und des Vergangenheitsbewusstseins eine Art von verdienter Renaissance und ist derzeit auf vielen Foren präsent. Ôes konsequente, atomkritische Einstellung trägt ihm in diesen Zeiten Anerkennung ein. Sein – in den vergangenen Jahren – schon mehrmals avisierter „letzter Roman“ wird gewiss ein zentraler Text der Post-Fukushima-Ära, nicht zuletzt weil es dem Schriftsteller gelingt, eine ideologiekritisch-intellektuelle Position ohne Defizite in der literarischen Qualität zu artikulieren und sie damit auch in andere Länder vermittelbar zu machen.

Während der Nobelpreisträger für eine demokratisch-pazifistische, alte japanische Intellektuellenelite mit bildungsbürgerlichem Blickwinkel steht, deren Agenda weitgehend auf Zustimmung trifft, greift der emotionale Reflex der Riege neuer „Heimatschriftsteller“ eventuell zu kurz. Autoren wie Furukawa Hideo und Wagô Ryôichi versuchen ihr Bestes, das Thema „Fukushima“ literarisch zu bewältigen, aber die Frage der adäquaten Handwerklichkeit und des sprachlich-künstlerischen Konzepts, sich die Katastrophe zumindest literarisch anzueignen, bleibt bestehen. Auf ästhetischer Ebene sind die Beiträge der Schriftstellerinnen, die wie Kawakami Mieko mit ihrer Erzählung „Der März ist aus Garn gemacht“ eine surreale Ebene wählen, um die Zersetzung der Gewissheiten nach 3/11 zu formulieren, sicher anspruchsvoller und als literarische Repräsentation der Geschehnisse gelungener; Kawakami beschreibt in „März“ die Alltagssituation eines Ehepaars, in der die Frau eine unheimliche Wahrnehmung macht: Die Welt scheint ganz aus Garn gefertigt und die Fäden der Garnobjekte beginnen sich zu lösen …

Mit der bibliotherapeutischen Geste, die es sich auf die Fahnen schreibt, die Wunden, die Fukushima gerissen hat, zu heilen, geht der Zweifel einher, ob Literatur, die sich als Trauma-Bewältigung bewähren möchte, der schlimmen Realität „Fukushimas“ auf allen Ebenen gerecht werden kann. Die Gratwanderung zwischen der Absicht, eine japanische Öffentlichkeit zu trösten und aufzumuntern, und dem Anspruch, literarisch politische, ökonomische und historische Hintergründe der Ereignisse zu beleuchten, bringt es mit sich, dass sich einige der Äußerungen und Beiträge mehr oder weniger in berechenbaren Allgemeinplätzen erschöpfen. Zuweilen erstaunt der Gleichklang der Äußerungen, wie sich in manchen Texten auch der Wunsch des Autors zu manifestieren scheint, an der publizistischen Front der Post-Fukushima-Ära obsiegen zu wollen. Stellenweise entwickelt sich in diesem rhetorischen Umfeld eine seltsame Ambivalenz, und in manchen Kommentaren klingt es sogar mehr oder weniger offen an, dass man die Katastrophe auch als Chance sehen könne. „Fukushima“ bedeutet dieser Auslegung nach die Grundlage für ein Umdenken in der immer noch stark auf Konsum fixierten japanischen Gesellschaft sowie einen Wendepunkt nach den erfolglosen 1990er Jahren und der darauffolgenden Stagnationsphase im Zeichen von gesellschaftlichem Abstieg.

Die Rhetorik des „Danach“ als Beschwörung eines nationalen Aufbruchs und als eine Kur gegen das Jammern in einer Phase wachsender sozialer Probleme betreibt beispielhaft der bekannte Kulturphilosoph und Exeget der japanischen Subkultur, Azuma Hiroki (*1971). Er hielt in der New York Times unter der Überschrift „For a Change, Proud to be Japanese“ fest, nun würde man sich energisch den Schwierigkeiten stellen und eine neue Solidarität sei erstanden (Azuma 2011).

Azuma verfügt freilich über nicht genug intellektuelle Aura, um als Vordenker der Nation anerkannt zu werden. Etwas traurig stimmt der Umstand, dass sich in der aktuellen Krise offenbar kein anderer Bezugspunkt für manchen Denker und Schriftsteller finden lässt als der konservative Lobbyist in eigener Sache Umehara Takeshi, auf den sich innerhalb dieser ersten Sichtung immerhin zwei Verfasser beziehen. Sollte das intellektuelle Lager, wenn es sich gegen die tonangebenden Technokraten positionieren will, tatsächlich nur mit Umehara aufwarten können, einem „spirituellen Intellektuellen“ und „Gefälligkeitsgelehrten“, der sich jüngst selbst zu seiner Verstrickung mit der Atomindustrie geäußert hat? Oder übermittelt die Verneigung vor dem Ehrenvorsitzenden des Wiederaufbaurats den Wunsch, in den inneren Zirkel der Macht zu gelangen? Innerhalb eines insulären Lebens- und Diskursraums mit bislang sehr wirksamen plutokratisch definierten hierarchischen Strukturen mag zudem die Überlegung eine Rolle spielen, dass man der eigenen Position möglichst wenig Schaden zufügen will. Unbekümmerte Meinungsäußerungen fallen hier den Künstlern mit finanzieller Unabhängigkeit und einem weiten internationalen Bewegungsradius leichter – Hintergründe, die etwa Sakamoto Ryûichi und Murakami Haruki aufweisen können.

Takahashis Text stellt eine erfreuliche Reaktion gegen den aufwallenden Patriotismus dar, der nicht die Meinung aller Japaner repräsentiert, sondern zu einem wesentlichen Teil der Dynamik des Politik- und Medienbetriebs geschuldet sein dürfte. Der Autor argumentiert in einer Traditionslinie der japanischen Literatur, die in der Lachattacke auf das System − vorzugsweise angereichert mit Metaphern des Sexuellen − einen Befreiungsschlag anstrebt, ohne sich allzu schwerfällig ideologisch zu belasten. Im engen diskursiven Raum, wie er in Japan vorliegt, sind jedenfalls eine parodistisch-freche Einlassung wie die von Takahashi und eine Aussage mit globalem Weitblick, wie sie Katayama Kyôichi getroffen hat, nicht hoch genug zu schätzen.

 


  • Azuma Hiroki (2011): „For a Change, Proud to be Japanese“: In: The New York Times, 17. März, S. A 35.
  • en-taxi: Kinkyû-tokushû higashi Nihon daishinsai, Nr. 32, 26. April 2011.
  • Furukawa Hideo (2011): Umatachi yo, soredemo hikari wa muku de (Ihr Pferde, das Licht bleibt dennoch ohne Fehl). Tôkyô: Shinchôsha. 
  • Gen’yû Sôkyû (2011): Fukushima ni ikiru (In Fukushima leben). Tôkyô: Futabasha. 
  • Gen’yû Sôkyû und Nakazawa Shin’ichi (2011): Mujô kara no sai-shuppatsu (Ein neuer Aufbruch im Geiste des mujô-Prinzips). In: Subaru, 12, S. 152-167.
  • Henmi Yô (2011): Me no umi (Das Meer der Augen). Tôkyô: Mainichi Shinbunsha.
  • Henmi Yô (2012): Gareki no naka kara kotoba wo – watashi no ‘shisha’ e (Worte aus dem Schutt – für meine „Toten“). Tôkyô: NHK Shuppan.
  • Ichikawa Makoto (2011): „About Japan Earthquake Charity Literatur“ and Charity project by Waseda Bungaku“. Translated by David Karashima. http://www.bungaku.net/wasebun/info/ charity_html 
  • Ikezawa Natsuki (2011): Haru wo urandari wa shinai: Shinsai wo megutte kangaeta koto (Dem Frühling will ich nicht grollen: Gedanken anlässlich der Erdbebenkatastrophe). Tôkyô: Chûô Kôronsha.
  • Ikezawa Natsuki et al. (Hg.) (2011): Datsugenpatsu-shakai wo tsukuru 30nin no teigen (Dreißig Argumentationen für eine atomfreie Gesellschaft). Tôkyô: Komonzu.
  • Karashima, David und Elmer Luke (Hg.) (2012): March Was Made of Yarn: Reflections on the Japanese Earthquake, Tsunami and Nuclear Meltdown. New York: Vintage. 
  • Katayama Kyôichi (2011): „Wiederinbetriebnahme des AKW Genkai − Die Welt kehrt sich von Japan ab“. In: Asahi Shinbun, 4. Juli 2011, S. 11; Übersetzung auf Textinitiative Fukushima von Raji C. Steineck, www. textinitiative-fukushima.de
  • Kawakami Hiromi (2011): Kamisama 2011. Tôkyô: Kôdansha.
  • Kayama Rika (2011): „Es gibt keine Gemeinschaft.“ In:  AERA, Vol. 24, Nr. 21, Mai, S. 66-69; Übersetzung auf Textinitiative Fukushima von Johanna Mauermann, www. textinitiative-fukushima.de
  • Kuroda Akira (2011): „Ein Brief der Autorin Akira Kuroda aus Tokio: ,Ich habe keine Angst mehr‘”. In: FAZ, 16. März, S. 29.
  • Murakami Ryû (2011): “Amid shortages, a Surplus of Hope”. In: The New York Times, 16. März, S. A 35. 
  • Murakami Haruki (2011): „Unrealistischer Träumer“. Preisrede von Barcelona; ins Deutsche übersetzt auf http://www.senrinomichi.com/?p=2913
  • Ôe Kenzaburô (2011): „Nous sommes sous le regard des victimes”. In: Le Monde, 17. März, S. SPA 8.
  • Ôe Kenzaburô (2011a): „Hier gibt es keine Helden“. In: taz, 3. April, S. 3.
  • Ôe Kenzaburô (2012): „Bannen yôshiki shû / In Late Style”. In: Gunzô, S. 7-21.
  • Saeki Kazumi (2011): „In Japan, No Time Yet for Grief”. In: The New York Times, 15. März, S. A 31. 
  • Sotooka Hidetoshi (2011): Shinsai to genpatsu kokka no ayamachi – bungaku de yomitoku 「3•11」(Das Erdbeben und der Fehler des Atomstaats – literarische Aufschlüsse zu 3/11). Tôkyô: Asahi Shinbun Shuppan.
  • Taguchi Randy (2011): Hiroshima, Nagasaki, Fukushima: Genshiryoku wo ukeireta Nihon (Hiroshima, Nagasaki, Fukushima. Japan und das Atomare). Tôkyô: Chikuma Shobô.
  • Takahashi Gen’ichirô (2011): ”Building ‘slow democracy’ based on transparency and dialogue”. In: The Asahi Shinbun, 12. August. Link: http://ajw.asahi.com/article/0311disaster/opinion/AJ201108125202
  • Takahashi Gen’ichirô (2011a): Koi suru genpatsu (Das verliebte Atomkraftwerk). Tôkyô: Kôdansha.                      
  • Tanikawa Shuntarô et al. (Hg.) (2012): Sore demo sangatsu wa, mata (Trotzdem ist der März wiederum). Tôkyô: Kôdansha.
  • Tawada Yôko (2011): „Die Ruhe im Sturm. Das Wort Katastrophe klingt für japanische Ohren anders als für deutsche“. In: Der Tagesspiegel, 14. März. Link: http://www.tagesspiegel.de/kultur/die-ruhe-im-sturm/3950332.html
  • Corinne Quentin und Cécile Sakai (Hg.) (2011): L’archipel des séismes. Ecrits du Japon après le 11 mars 2011 (Die Insel der Erdbeben. Texte aus Japan nach dem 11. März 2011). Paris:  Editions Philippe Picquier.
  • Wagô Ryôichi (2011): “Fukushima Is Us: The Gravels of Poetry from Fukushima, Ryoichi Wago, and Yuichi Sato.” Arabiki. International Journal of Poetry. http://aabk.wordpress.com/2011/04/22/fukushima-is-us/
  • Wagô Ryôichi (2011a): Shi no tsubute (Pebbles of Poetry/Gedichtsteinchen). Tôkyô: Tokuma Shoten. 
  • Waseda Bungaku: Tokushû shinsai ni, Nr. 4, 15. September 2011. 
  • Yoshimoto Banana (2011): „Ich möchte mein Lächeln nicht verlieren“. In: Spiegel, 18. März. Link: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,751573,00.html
  • Yoshimoto Banana (2011a): „Ein weiter Weg“. In: greenpeace magazin 4. Link: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=6457
  • Yoshimoto Banana (2011): Suito hiaafutâ. Tôkyô: Gentôsha. 


Vorarbeiten der Verfasserin:

  • Gebhardt, Lisette (2011): „Höflich ein deutliches Nein. Murakami Haruki über Fukushima“. In: NZZ, 22. Juni, S. 50.
  • Gebhardt, Lisette (2011): „Unglaublich leidensfähig und diszipliniert? Der Diskurs um japanische Tugenden nach Fukushima.“ In: Forschung und Lehre, 6/2011,  S. 444-445.
  • Gebhardt, Lisette (2011): „Japan danach: Irritation jenseits kollektiver Harmonie. Zu den vielen Wahrheiten von Fukushima und der Frage nach einer kritischen Öffentlichkeit“. In:  Forschung  Frankfurt. Das Wissenschaftsmagazin, Juni 2/2011, S. 41-44.
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