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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

PUBLIKATIONEN JAPANOLOGIE FRANKFURT (2021) IM DRUCK

Die Studie "Japanische Literatur nach Fukushima. Sieben Exkursionen" ist nun in der Druckerei. Auf den über 460 Seiten des Bandes werden zahlreiche Autoren und Autorinnen der zeitgenössischen japanischen Literatur mit ihren Texten zu Themen wie Natur und das Nukleare, Atomhavarie und „belastete Atmosphären“, Leben im „toxischen Kontinuum“ sowie „Im Post-Anthropozän: Die Erde ohne uns“ u.a. vorgestellt. Unter ihnen sind bekannte Namen – Tsushima Yûko, Kawakami Hiromi, Tawada Yôko, Kirino Natsuo und Murata Sayaka – aber auch bislang meist nur in Japan gelesene Vertreter der Literaturszene wie Yoshimura Manʼichi, Isaka Kôtarô, Itô Seikô, Kobayashi Erika und Onda Riku. Auch Schriftsteller aus der von der Dreifachkatastrophe am stärksten betroffenen Region, z.B. Genʼyû Sôkyû und Kimura Yûsuke, kommen zu Wort, ebenso wie eine ältere Autorengeneration, die mit ihren literarischen Kommentaren die Machtverhältnisse im „Atom-Staat“ kritisiert und an die Grundlagen eines Demokratieverständnisses erinnert, wie es für die Nachkriegszeit prägend war. Leitfrage der Textexegesen ist, inwieweit und auf welche Art die literarische Repräsentation von „3.11“ eine – in Abgrenzung zum offiziellen Narrativ der Katastrophe durch Regierung und Medien – alternative oder subversive Deutung der Geschehnisse bietet.

Aktuelles

Die japanische Olympia-Debatte im Juli 2021

Der Journalist Andreas Singler weist mit einigen spitzen Kommentaren auf die aktuelle Debatte um die olympischen Festspiele hin, die derzeit in den japanischen Medien ausgetragen wird. Zitiert wird etwa der Expremier Abe Shinzô, der im Monatsmagazin Hanada (Nr. 8/2021) behauptet, wer gegen Olympia sei, sei auch gegen Japan. Dies kontert die Zeitung Nikkan Gendai: „Alles nur nationalistisches Geschwätz“ (kokusui-shugi na hanashi bakari 国粋主義的な話ばかり).

Singler schreibt: „Naheliegende Frage des Blattes: Bezeichnet Abe auch die in Umfragen bis zu über 80 Prozent ermittelten Menschen, die eine Absage oder Verschiebung der Spiele forderten, tatsächlich als anti-japanisch? Die Schuld an dem Schlamassel liege in Wirklichkeit in Abes Ego begründet, so Nikkan Gendai. Als nämlich im vergangenen Frühjahr viele aus dem Volk der Japaner sich für eine Verschiebung der Spiele um zwei Jahre aussprachen, da habe der damalige Regierungschef noch geglaubt, es sei mit einer Verlegung um ein Jahr getan. Abe, der am 16. September 2020 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt schied, habe zum Zeitpunkt der Verlegung auf 2021 wohl darauf gehofft, zum Zeitpunkt der Spiele noch selbst im Amt zu sein. (...) Nun begebe Abe sich mit seinen Vorwürfen auf das Niveau der im Internet organisierten Rechten (netto uyoku ネット右翼), die jede andere Meinung sofort mit dem Attribut "anti-japanisch" belegen würden. Der wahre Anti-Japaner sei jedoch Abe selbst, behauptet im Nachgang am 10. Juli dann die Zeitung noch und beschimpft den Ex-Premier als "66-jähriges Kleinkind", der in seiner Amtszeit das Land an die Privatwirtschaft verkauft und die Verfassung zerstört habe.“

Links: https://www.andreas-singler.de/2021/07/14/abes-nationalistisches-geschw%C3%A4tz-olympiakritik-ist-anti-japanisch/
https://mainichi.jp/articles/20210703/k00/00m/010/034000c
https://news.yahoo.co.jp/articles/61c68e2a999c9a34a6d52f7e19549470a176736e


„Cancel the Olympics“ und „No Bach“: Protest in Hiroshima

Anlässlich des Besuchs von IOC Präsident Thomas Bach an der Gedenkstätte in Hiroshima regte sich, wie Medien berichten, Widerstand in Form von Protestkundgebungen: „‘Bach laid a wreath and observed a minute of silence in the rain in front of the Peace Memorial Park cenotaph. Faint voices of protesters, who were kept at a distance, could be heard shouting “go home Bach” and “you’re not welcome here.”‘ Dozens of protesters were seen near the Atomic Bomb Dome with signs that read “Cancel The Olympics” and “No Bach.” “You should understand you are not welcome here,” one protester said, speaking into a microphone.“

Bach, dem hier auch Symbolpolitik unterstellt wird, muss sich in Japan mit Kritik gegen Olympia 2020 auseinandersetzen, wirft man der Veranstaltung vor, hauptsächlich ökonomische Interessen zu verfolgen. Der IOC Vertreter hatte schon zuvor keine glückliche Figur gemacht, als er bei seiner Ankunft im Land auf einer Pressekonferenz Japan mit China verwechselte.

Links: https://www.news18.com/news/sports/ioc-president-thomas-bach-gets-mixed-reaction-in-one-day-visit-to-hiroshima-3973940.html (News 18, 17. Juli 2021)
https://www.theguardian.com/world/video/2021/jul/13/olympics-chief-thomas-bach-mixes-up-japanese-and-chinese-people-video
https://www.japantimes.co.jp/news/2021/07/14/national/thomas-bach-ioc-hiroshima/
https://www.hollywoodreporter.com/news/general-news/thomas-bach-gaffe-japanese-chinese-1234981734/
Critics have argued that the Japanese people have been asked to bear all of the risks of staging the Olympics within an island nation, while the IOC and foreign broadcasters stand to reap all of the profits. (The Hollywood Reporter, 13. Juli 2021)
https://www.youtube.com/watch?v=cgPd61fiXsI (Ruptly, 17. Juli 2021)


Online-Vortrag "How to teach Atoms for Peace" (Felix Jawinski, 24. Juli)

Am 24. Juli wird die Reihe "Japan's Split Society Between Genbaku and Genpatsu" mit einem Vortrag von Felix Jawinski M.A. (Leipzig) abgeschlossen. Thema des Vortags ist "How to teach ‘Atoms for Peace’: Field Report on Educational Films in the Context of the Tsuruga Nuclear Information Center”

July 24, 2021 (Saturday), 11.00-12.30
Vortrag auf Zoom

Link: https://japanologie.phil-fak.uni-koeln.de/en/aktuelles/nachrichtenansicht/vortragsreihe-sose-2021-japans-split-society-between-genbaku-and-genpatsu-media-propaganda-and-science


Vortrag "NO NUKES: The Power of Film and Art Post 3/11" (16. Juli)

Am Freitag den 16. Juli wird Prof. Mitsuyo Wada Marciano (Graduate School of Letters/ Faculty of Letters, Kyôto University) im vorletzten Vortrag der Reihe "Japan's Split Society Between Genbaku and Genpatsu" (Leipzig/Köln) zum Thema Introduction and Discussion of "NO NUKES: The Power of Film and Art Post 3/11" (2021) referieren.

July 16, 2021 (Friday), 11:00 - 12:30
Online-Vortrag auf ZOOM


Retrospektive: Japanische Politik und 3/11 (SCA)

Auf den Seiten der Society for Cultural Anthropology (SCA) findet sich aktuell eine Retrospektive auf japanische Politik im Kontext von 3/11, gesammelt von David H. Slater und Anne Allison:

"In July 2011, three months after the Tohoku tsunami and subsequent nuclear reactor destabilization, we published the first Hot Spot series on the Society for Cultural Anthropology’s website, “3.11 Politics in Disaster Japan: Fear and Anger, Possibility and Hope.” Ten years later, we asked the original contributors to reflect on the past decade, in terms of fear and anger, possibility and hope post-3.11."

Link: https://culanth.org/fieldsights/series/3-11-politics-in-disaster-japan-ten-years-later
https://culanth.org/fieldsights/3-11-the-politics-emerging-and-dissipating-ten-years-since (Einführung der Retrospektive von Slater)


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