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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

 Nolympics

Der Band "NOlympics: Tōkyō 2020 in der Kritik“, herausgegeben von Steffi Richter, Andreas Singler und Dorothea Mladenova geht nun in den Druck und liegt in absehbarer Zeit vor. Aus der Einleitung: „Der Band ‚NOlympics: Tōkyō 2020 in der Kritik‘ bietet gemeinsam mit wissenschaftlichen Fundierungen der diversen Olympia-Kritiken durch ein internationales Autor*innen-Team auch jenen Stimmen eine Plattform, die in Japan in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Aktionen gegen die Ausrichtung des Mega-Events opponiert haben. Ihre Ablehnung der Spiele betrifft nicht nur Tōkyō 2020, sondern wendet sich gegen die Institution der Olympischen Spiele in Zeiten des „Feier-Kapitalismus“ (Jules Boykoff). Widerstand richtet sich somit gegen Spiele, die im Verdacht stehen, in den Ausrichterländern soziale Kälte bis hin zur Exklusion zu befördern, wachsenden Nationalismus zu generieren und demokratische Werte zu unterminieren“.

Link zu den Seiten des Leipziger Universitätsverlags: www.univerlag-leipzig.de


Aktuelles

„Corona“: Entscheidungsfindung in Sachen Olympia 2020

Bei der Entscheidung, ob Olympia 2020 im Sommer stattfinden kann, sollten „nicht die Sportverbände sondern die Weltgesundheitsorganisation WHO die maßgebende Institution sein“ (rbb24).  

„Die Entscheidung über die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio (Japan) muss aus Sicht von Alfons Hörmann bis spätestens zwei Monate vor dem Eröffnungstermin am 24. Juli fallen. "Es wird nicht im Laufe der nächsten Tage möglich sein, endgültige Klarheit zu haben", sagte er angesichts der verheerenden Auswirkungen der Sars-CoV-2-Epidemie am Sonntag in der ARD-Sportschau. Das Coronavirus hat nicht nur sportartübergreifend den Spielbetrieb in allen deutschen Top-Ligen gestoppt, sondern bedroht in Fußball-EM und Olympischen Spielen in Tokio auch die absoluten Highlights des Sportjahres. Hörmann sieht die Entscheidung über eine Austragung der Spiele in Japans Hauptstadt beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) allerdings in den besten Händen. "Spekulationen helfen uns dazu nicht weiter, sondern wir sollten in vollem Umfang auf das IOC vertrauen, das sehr eng mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammenarbeitet", sagte Hörmann. Letztlich werde "in einigen Wochen eine klare Entscheidung zu treffen sein".“ (Leichtathletik.de, 16. März 2020)

Links: https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/73192-dosb-praesident-hoermann-fordert-solidaritaet-und-sieht-olympia-entscheidung-bis-ende-mai
https://www.rbb24.de/sport/thema/2020/coronavirus/beitraege/olympische-spiele-corona-dosb-praesident-glaubt-nicht-an-schnelle-einigung.html
https://www.olympic.org/news/communique-from-the-international-olympic-committee-ioc-regarding-the-olympic-games-tokyo-2020

„The IOC has confidence that the many measures being taken by many authorities around the world will help contain the situation of the COVID-19 virus. In this context, the IOC welcomes the support of the G7 leaders as expressed by Japanese Prime Minister Abe Shinzo, who said: “I want to hold the Olympics and Paralympics perfectly, as proof that the human race will conquer the new coronavirus, and I gained support for that from the G-7 leaders.”

https://www.dw.com/en/coronavirus-toyko-2020-olympic-organizers-insist-games-will-go-on/a-52364457
https://www.nytimes.com/2020/03/05/sports/olympics/coronavirus-tokyo.html


Joban Linie wieder in Betrieb - März 2020

Nach neun Jahren eröffnete die Joban Linie in Gänze (zensen kaitsû 全線開通) ihren Betrieb. Der Bahnhof Futaba ist neu aufgebaut worden, auch wenn die Stadt selbst aufgrund der hohen Strahlenwerte noch im Zustand der Zerstörung verharrt bzw. gesperrt ist. Einheimische wie etwa der einen Heilberuf ausübende Sanpei Akio (70) vermuten laut ANN, der Wiederaufbau sei den Vorbereitungen für die Olympischen Spielen 2020 geschuldet; ohne die Spiele, so der Spezialist für Akupunktur, hätte man die Linie so schnell nicht wieder in Betrieb genommen. Erst Anfang 2022 soll laut Regierungsplänen die Stadt für die ehemaligen Bewohner geöffnet werden.

Kyodo News kommentiert:

„Repair work on the broken stretch of the Joban Line could not be conducted for a long time as most of it was located in a zone marked as having high radiation levels, JR East said. Work on the line, which began in March 2016, included replacing parts of the railroad tracks and ties, and stripping the surface soil in order to reduce radiation levels. Shingo Amemiya, chief of JR East's branch in Mito, Ibaraki Prefecture, said Friday radiation levels in trains running in the previously suspended Joban Line section in Fukushima have been lowered to one-180th of chest X-ray testing, citing government data. Although passengers are able to get off at stations and walk around the vicinity, many residents will still not be able to return as evacuation orders remain in place in areas outside the stations.“ (Kyodo News, 14. März 2020)

Links: https://english.kyodonews.net/news/2020/03/a1246b526271-last-train-line-suspended-by-2011-triple-disaster-fully-reopens.html

https://www.youtube.com/watch?v=uLdroJc53kM (ANN News)

9年ぶりの列車も・・・住民は期待と不安 福島・双葉町(20/03/09)

東日本大震災と福島第一原発の事故の影響で不通となっていたJR常磐線が今週、9年ぶりに全線で再開します。待ち望んでいた「日常」が戻ってくると期待する声もあれば、不安の声を上げる人もいます。“Viele hoffen, dass die lange erwartete „Normalität“ wieder zurückkehrt, andere Stimmen artikulieren Ängste“

https://www.youtube.com/watch?v=C4zg0bs9dlA

https://de.wikipedia.org/wiki/Jōban-Linie


"Die Kirschblüte in Hansaki" - Gedichtübersetzung anlässlich des neunten Jahrestages von 3/11

Die Kirschblüte in Hansaki

Wäre es ein Jahr wie immer
Würde sie die Augen der Menschen erfreuen, sie sanft stimmen
die 300 Jahre alte rosarote Kirsche mit den Hängezweigen
Dieses Jahr fielen ihre Blüten ohne dass jemand sie bewundern konnte 

Inmitten des kleinen Friedhofs oben am Hügel
Spreizen sich ihre Zweige wie ein Schirm und ummanteln den Friedhof
in der untergehenden Sonne strahlt ihre Farbe feenhaft –
rosarote Kirschblüte, die für die Toten blüht 

Vom Hügel aus ist das weite Meer zu sehen
Doch wahrscheinlich sieht man die feenhaften Blüten auch
Vom Ufer, das der Tsunami traf

Für die Toten alleine blühen sie
Blühen auf einem verlassenen Hügel
Der durch den Atomunfall zum Sperrbezirk erklärt wurde 

Kommentar:
Der aus Fukushima stammende Wakamatsu Jôtarô 若松丈太郎 (*1935) wurde nach 2011 als ein "Prophet" der Dreifachkatastrophe vom 11. März wahrgenommen – in mehreren Texten seit Mitte der 1990er Jahre schildert der Dichter, Essayist und Anti-Atomkraft-Aktivist eine atomare Sperrzone in seiner Heimat, stark beeinflusst von einer Reise nach Tschernobyl im April 1994. Wakamatsu erlebte die 3/11 Katastrophe in seiner Heimaststadt Minamisôma, in die er nach kurzzeitiger Flucht noch 2011 zurückkehrte. Seine Gedichte vor und nach 3/11 dokumentieren in einzigartiger Präzision die atomare Zeitgeschichte Japans in der Heisei-Zeit (1989-2019) und ihre Verankerung in Fragen demokratischer Verantwortung.
Das folgende Sonett "Hansaki no sakura" 飯崎の桜 wurde in Buchform 2014 in der Anthologie "Waga daichi yo, aa" publiziert. Der im Sonett erwähnte Kirschbaum ist eine kleine Touristenattraktion in Hansaki, Minamisôma und lag vorübergehend in der designierten Sperrzone um das havarierte AKW Fukushima Daiichi.
Das Sonett wurde für den neunten Jahrestag der Dreifachkatastrophe erstmalig von Christian Chappelow (Japanologie Frankfurt) ins Deutsche übertragen. Eine umfassende Autorenstudie zu Wakamatsu Jôtarô als überarbeitete Dissertation des Übersetzers befindet sich in Vorbereitung.


"Atomkraft und Demokratie" - Sonderausgabe der Asahi Shimbun

Im Februar 2020 publizierte die Asahi Shimbun eine umfassende Sonderausgabe zum Thema "Atomkraft und Demokratie" (原発と民主社会): 

特集は「東日本大震災から9年 教訓を忘れるな 原発と民主社会」です。原発事故の後始末に苦しみながら復興に取り組む福島の現状や、原発に関する課題を取り上げました。

"Das Motto der Sonderausgabe lautet: 'Vergessen wir niemals die Lehren aus dem großen Erdbeben in Ostjapan: Atomkraft und Demokratie.' Sie erörtert die aktuelle Situation Fukushimas, das am Wiederaufbau arbeitet, während es weiter unter den Folgen des Atomunfalls leidet, sowie allgemeine Fragen im Zusammenhang mit der Atomkraft"

Beteiligt an der Sonderausgabe sind unter anderem der deutsche Japanologe und Journalist Andreas Singler sowie der aus Fukushima stammende Schriftsteller Gen'yû Sôkyû.

Link: https://jschool.asahi.com/journalism/13086425


Praktika im "World Friendship Center" in Hiroshima

Das "Hiroshima World Friendship Center" ist eine internationale Begegnungsstätte um das Thema Atom und bietet unter anderem die Möglichkeit, mit "Strahlenopfern" (hibakusha) der Atombombenabwürfe von 1945 in Kontakt zu treten. Für diesen Sommer schreibt das Zentrum in Verbindung mit der "Tanimoto Peace Foundation" Praktika im Zeitraum vom 4. Juli bis zum 1. August 2020 aus - die Gelegenheit dürfte gerade auch für Studierende der Japanologie interessant sein, die zukünftig zu diesem Thema forschen wollen.  

Link: http://wfchiroshima.com/english/2020/03/04/tanimoto-peace-foundation-internship-scholarship/?fbclid=IwAR0GacrPkFnE5RIoWCV6MuXI-3sMYGPblZ5h4J6K0Zk2b8svXdoie-ARKPo


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