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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

Aktuelles

Ablassen radioaktiver Abwässer - Japanische Produkte in Korea nicht beliebt

Die IAEA empfiehlt das "bewährte" Ablassen von radioaktiv belastetem Wasser ins Meer: "Doch der Tokioter Stromversorger Tepco und Japans Regierung haben die Entscheidung lange vor sich hergeschoben. Denn die empfohlene Variante stieß nicht nur daheim auf Widerstand. Sie verschärfte außenpolitisch auch einen Konflikt mit dem Nachbarn Korea."

Eine Umfrage der japanischen Agentur für Wiederaufbau habe nun ergeben: 77 Prozent der teilnehmenden Koreaner wollten keine Produkte aus Fukushima kaufen - "Das ist mit Abstand der höchste Wert in Asien."

(Martin Kölling, 27.5.2022)

Link: https://www.heise.de/hintergrund/Japans-Atomaufsicht-winkt-Einleitung-von-Tritium-Wasser-in-Fukushima-durch-7123855.html


Rückblick: Toxische Ereignisse aus Ishimure Michikos (1927-2018) Sicht | Ein Portrait von Kin Taii (2013)

Der sino-japanische Filmregisseur Kin Taii 金大偉 portraitierte 2013 die Autorin und Aktivistin Ishimure Michiko 石牟礼道子 und ihre "Welt" der Konvivialität. Ishimure kritisierte die moderne Zivilisation, die für sie Gift (= kindai bunmei no doku) mit sich brachte. Ishimure wurde für ihren Minamata-Text "Kugai jōdo" bekannt, schrieb aber auch nach "Fukushima" einschlägige Kommentare. Gegenwärtig wird die Schriftstellerin im Kontext des Ecocriticism behandelt

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Kommentar zum Interview:

光と闇の彼方にひらく一輪の花。夢と希望が秘められた稀有なる鎮魂映像詩! 鎮魂の文学『苦海浄土』で知られ、〈近代文明の毒〉に対して 警鐘を鳴らし続けてきた、世界的な作家・詩人、石牟礼道子によるラストメッセージ!
日本の風土を独自の視点で描く文学者、詩人である石牟礼道子さんの思想と文学の深層を表現する映像です。文明の毒とは何か、文学とは何か、詩とは何か、新作能の新たな構想、最後に文明社会のゆくえなどを語っていただき、さらに「祈り」や「犠牲」という私たち現代人が失くしてきた言葉を強調しています。多くの現地の自然風景と音楽の展開と共に、この作品は、現在や今後の社会において、大切なメッセージが組み込まれていると思います。 金大偉

Links: https://www.youtube.com/watch?v=T6_l1G-2ZrU
https://www.youtube.com/watch?v=XWUYSix1hG4
https://www.youtube.com/watch?v=n7VB2U4kA1M
https://www.youtube.com/watch?v=V1velNvKIBE
https://taiiproject.wixsite.com/kintaii/biography (Kin Taii Vita)
Sekundärliteratur zu Ishimure:
https://marsupientmedia.com/example/ishimure-michikos-writing-in-ecocritical-perspective/


"Der Unsichtbare Reaktor" - Zur Premiere

Am Samstag den 21. Mai war im Staatstheater Nürnberg / Schauspielhaus die Uraufführung des Stückes „Der Unsichtbare Reaktor“ zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Co-Produktion vom Regisseur Jan-Christoph Gockel (*1982) und dem Autor Nis-Momme Stockmann (*1981), der selbst mehrfach in das Katastrophengebiet um das AKW Fukushima Daiichi reiste. Wie im Titel angedeutet stellt das Stück die bühnentechnisch bis philosophisch herausfordernde Frage nach Darstellungsmöglichkeiten von Strahlenkatastrophen, und allgemeiner nach Deutung und Erinnerung von Großereignissen im öffentlichen Diskurs. Ein weiteres Erinnerungsnarrativ aussparend setzt das Duo Gockel/Stockmann auf eine Collage, die in mehreren Erzähl- und Deutungsebenen Videoaufnahme, Schauspiel und Monolog vereint.

Erzählt wird auch über das äußere Erscheinungsbild der Personen auf der Bühne. Sie wirken durch ihre stereotype Kleidung und Perücken weniger wie Menschen, sondern vielmehr wie Puppen. Auch die Figur des „Nis“ (als Alter Ego des Schriftstellers) tritt zersplittert auf – in kindischer, selbstreflektierter, überzeichneter und ironischer Pose. Vier Schauspieler teilen sich die Aufgabe, als „Nis“ den Schaffensprozess des Stückes zu rekapitulieren. Ein natürliches Erscheinungsbild haben hingegen nur die japanischen Akteure – zweidimensional zugeschaltet per Video. Die Fragen nach authentischer, menschlicher Erfahrung zwischen den Kulturen münden mitunter in Absurdität: Bedingt durch die Einreisebeschränkungen der letzten zwei Jahre engagierte Stockmann für seine letzte Japanreise den Schauspieler Ishii Yûichi, um als weiterer „Nis“ noch einmal durch Fukushima zu reisen (Thematik Leihmensch/rentaru ningen). Nicht zuletzt der optische Kontrast zwischen dem bodenständigen Nis und dem Rollkragenpulli tragenden „Nis“ wird mehrfach kommentiert und wagt die Zusammenführung von Katastrophe und Komik.  

Eine prominente Rolle im Stück nimmt – per Videobotschaft und Gedicht – der jüngst verstorbene Anti-Atom Lyriker Wakamatsu Jôtarô (1935-2021) ein. Zum Hintergrund: Seine Frau Wakamatsu Yôko führte Stockmann im Auftrag der Minamisôma International Association 2012-2016 mehrfach durch Fukushima. Die Relevanz einer literarischen „Prophetie“ der japanischen Atomkatastrophe im Kontext öffentlicher Verhandlungen des Atomaren hätte dabei weiter herausgestellt werden können, brachte sie doch eine wertvolle regionale und aktivistische Perspektive ein. 

Insgesamt bietet der „Unsichtbare Reaktor“ zwar für ein japanologisches Publikum wenig Neues, liefert jedoch einen intelligenten, pointierten und aktuellen Ansatz auf eben diese Unsichtbarkeit sowie auf künstlerisches Schaffen im Zeichen medial inszenierter Katastrophen.  

Das Stück ist bis zum 9. Juli in acht weiteren Aufführungen im Staatstheater Nürnberg zu sehen.

Links: https://www.staatstheater-nuernberg.de/spielplan-21-22/der-unsichtbare-reaktor-ua/21-05-2022/1930
https://www.goethe.de/ins/jp/ja/sta/kyo/res/sti/s13/nms.html (Stockmann als Gast des Goethe Instituts/Villa Kamogava) = 
"Im Rahmen einer Reise zur Schutzzone des havarierten Reaktors Fukushima-Daiichi in Japan im Februar 2012 entstanden ein Reise-Blog, Interviews und eine Reportage für das Magazin „Konkret“. Während seines Aufenthalts in der Villa Kamogawa führte er diese Recherche der Auswirkungen der atomaren Katastrophe auf die japanische Gesellschaft mit dem Projekt „Polylog“ fort und ging dabei u.a. der Frage nach, welchen Einfluss 3/11 auf die Protestkultur hatte und welche Folgen für den Fortschrittsglauben."

Bericht von: Christian Chappelow (Japanologie Frankfurt)


Konferenz "Hiroshima – Nagasaki – Fukushima – Articulations of the Nuclear. The Case of Japan" (Universität Köln, 19.-21.5.2022)

Vorträge

  • André Hertrich: "Victims on Display at the Hiroshima Peace Memorial Museum and the Nagasaki Atomic Bomb Museum"
  • Lauren Constance: "Digitalisation and Visualisation of Eyewitness Accounts in the Hiroshima Peace Memorial Museum"
  • Anna Wiemann: "Living with the Nuclear: Memory Narratives of Fukushima Farmers"
  • Katharina Hülsmann: "Depictions of the Nuclear in Occupation Period Manga"
  • Michele M. Mason: "Splitting the Atom: Yuka Nishioka's Manga Rebuke of the Nuclear Weapon and Power Divide"
  • Okuda Hiroko: "Rhetorical Perspectives on Post-nuclear Japan: Hiroshima and Nagasaki Within Fukushima"
  • Tobias Weiß: "The Responsibility for the Fukushima Nuclear Accident in Japanese Newspapers"
  • Stephan Köhn: "At the Crossroads to Oblivion – Ōta Yōko’s Literature as a Counter-Narrative to National History Writing"
  • Rachel DiNitto: "Narrating Nuclear Geographies and Victims: The Late Fiction of Tsushima Yūko"
  • Shigesawa Atsuko: "From John Hersey’s Hiroshima to Fukushima: The Atomic General’s Long Shadow over the Nuclear Narrative"
  • Marie-Christine Dreßen: "From Cities in Ruins to Ambassadors of World Peace – Discussions of the Nuclear in the Gordon W. Prange Collection"
  • Franziska König: "The Peaceful Use of Nuclear Power after World War Two – A Look at the Discourse of Newspaper and Magazine Articles in the Gordon W. Prange Collection"
  • Steffi Richter: "Making the Invisible/s Visible. Genbaku and Genpatsu in the Context of the Maruki Gallery for the Hiroshima Panels"
  • Christopher P. Hood: "Splitting Atomic Symbolism: Differing Words, Images, and Sounds of a Nuclear World"
  • Felix Jawinski: "Representing Nuclear Energy in Japanese Postwar Educational Movies, Industrial Movies and Scientific Movies"
  • Robert Jacobs: "The Passive-Aggressive Atom: Can Nuclear Reactors be “Peaceful”?"
  • Peter Kuznick: "How Shifting U.S. Perceptions of the Atomic Bombings of Hiroshima and Nagasaki Have Influenced Americans’ Attitudes Toward the Nuclear Arms Race, 1945-2022"

Die Konferenz findet online auf ZOOM statt. Nähere Informationen sowie das vollständige Tagungsprogramm finden sich unter:

Link: https://japanologie.phil-fak.uni-koeln.de/forschung/forschungsprojekte/die-gespaltene-gesellschaft/hiroshima-nagasaki-fukushima-articulations-of-the-nuclear-the-case-of-japan


Globale gesundheitliche Belastungen nach atomaren Ereignissen

"Radionuclide contamination in terrestrial ecosystems has reached a dangerous level. The major artificial radionuclide present in the environment is cesium (137-Cs and 134-Cs). In humans, animals, and plants cesium ion (Cs+) behaves like potassium ion (K+) and it is localized mainly inside the cells. Pancreas and salivary glands secrete and eliminate Cs in the intestine with the feces and by the kidney with the urine. Ingested radiocesium can cause several pancreatitis and secondary diabetes (type 3c), which are on the rise in the world. Venturi studied the correlation between the geographical map of these diseases and the map of nuclear plant accidents, atomic bomb testing, and radioactive fallout and reported that pancreas is able to absorb in great quantity radioactive cesium causing pancreatitis and cancer with damage of pancreatic islands and diabetes [1-2]. In fact, diabetes mellitus increased in contaminated population, particularly children and adolescents, after Chernobyl and Fukushima [3-4] nuclear incidents. At the same time, worldwide pancreatic diseases, diabetes and environmental radiocesium are also increasing."

(Dialog Academia.edu / Takahashi, 2022)

Quelle: Venturi, Sebastiano (2020). Correlation between radioactive cesium and the increase of pancreatic cancer: A Hypothesis. Biosfera. 12 (4): 81–90. doi:10.24855/biosfera.v12i4.556. ISSN 1872-3136.

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Sebastiano Venturis Affiliation: Department of Hygiene and Public Health, 61016 Rimini, Italy.

Links: https://www.academia.edu/75606668/DIABETES_PANCREATITIS_
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34501532/


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