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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

 Nukleare Narrationen 2

Der Band "Kinder im Atomzeitalter. Berichte, Befunde, Bilder" ist rechtzeitig zum achten Jahrestag der Dreifachkatastrophe im März 2019 erschienen. Die Redaktion widmet sich nun dem Projekt „Olympia 2020 Tôkyô und Fukushima – Die Spiele der Weltrisikogesellschaft“. Bedingt durch diese und andere Publikationstätigkeiten werden die Entwicklungen in Japan in größeren Abständen kommentiert. Nach wie vor sollen jedoch Hinweise auf japanische / westliche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema „Japan nach ‚Fukushima‘“ oder allgemein zur Zeitgeschichte des Atomaren bekannt gegeben werden.


Aktuelles

Konferenz "Für eine Olympiade in Tokyo, die Fukushima nicht verschweigt"

Am 14. und 15. September 2019 findet in der Auslandsgesellschaft Dortmund die Konferenz "Für eine Olympiade in Tokyo, die Fukushima nicht verschweigt" statt. Veranstalter ist die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung NRW.

Aus der Ankündigung: "Mit der Konferenz möchten wir jene zu Wort kommen lassen, die sich mit der aktuellen Öffentlichkeitsstrategie der Regierung auseinandersetzen und die die Folgen der Katastrophe für die geflohenen Menschen, ihre Kinder und für die Umwelt aufzeigen können. Wir möchten auch zeigen, mit welchen Fragen sich die Umweltbewegung in Japan heute auseinandersetzt und welche Proteste es immer noch gibt. Wir möchten auch fragen, ob zivilgesellschaftliche Initiativen in Deutschland Aktionen planen, um „Sand im Getriebe“ einer Öffentlichkeitsstrategie zu sein, die alle Risiken und die Krise nach Fukushima negiert. Können wir Kontakte zu Medienhäusern vor den olympischen Spielen aufzunehmen, so dass während der olympischen Spiele auch über Fukushima und seine Folgen berichtet werden kann? Zu der Konferenz sind auch Partner eingeladen, die sich in anderen europäischen Ländern mit den Folgen von Fukushima auseinandersetzen."

Link zum Konferenzprogramm:
https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Konferenz-Dortmund_9-19.pdf


Radonbelastung in Deutschland

Neue Meldung des Bundesamt für Strahlenschutz

Erstaunlicherweise meldete sich das Bundesamt für Strahlenschutz jüngst erneut zur Wort - Thema sind die neuen gesetzlichen Regelungen zum Schutz vor Radon:

  • "Bis Ende 2020 müssen die Bundesländer gemäß Strahlenschutzgesetz ermitteln, in welchen Gebieten in vielen Gebäuden eine hohe Radon-Konzentration zu erwarten ist.
  • In diesen Gebieten gelten unterschiedliche Regelungen für verschiedene Gebäudetypen:
  • Für private, bereits bestehende Wohngebäude können Eigentümer und Bewohner freiwillig Maßnahmen ergreifen, um die Radon-Konzentration im Gebäude zu senken.
  • Für private Neubauten besteht für Bauherren die Pflicht, durch bauliche Maßnahmen weitgehend zu verhindern, dass Radon in das Gebäude eindringen kann.
  • Beträgt die Konzentration von Radon an Arbeitsplätzen mehr als 300 Becquerel pro Kubikmeter, müssen Maßnahmen eingeleitet werden, um die Radon-Konzentration im Gebäude zu senken" (bfs.de)

"Das Gesundheitsrisiko durch das radioaktive Gas Radon ist aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland zu wenig bekannt. Es sei nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs, sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini. Ob die eigene Wohnung betroffen sei, lasse sich durch Messungen leicht feststellen." (ZDF, 23. August)

Links: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bundesamt-fuer-strahlenschutz-radon-gefahr-oft-unterschaetzt-100.html

http://www.bfs.de/SharedDocs/Bilder/BfS/DE/ion/umwelt/radon-karte-boden.jpg?__blob=poster&v=12


Jodtabletten für Deutschland im Sommer 2019

„Beim österreichischen Pharmakonzern Gerot Lannach in der Steiermark rieb man sich verwundert die Augen: 50 Millionen Packungen Jodtabletten, der größte Einzelauftrag in der Geschichte des Unternehmens - so meldete es Anfang August der österreichische Fernsehsender ORF. Sie sollen als Vorsorge zur Vermeidung von Schilddrüsenkrebs im Fall eines schweren Reaktorunfalls dienen - bestellt ausgerechnet vom Atomausstiegsland Deutschland.“

„Grundlage sei eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, sagt der Essener Strahlenbiologe Wolfgang Müller, seinerzeit Vorsitzender der Strahlenschutzkommission: 'Fukushima hat uns damals zwei Dinge gelehrt: Das eine ist, dass man auch mit Reaktorunfällen der Stufe INES 7 rechnen muss, also schwerer, als man vorher angenommen hat. Und zum Zweiten, dass es durchaus auch mehrtägige Freisetzungen geben kann, was dann bedeutet, dass unter Umständen die Windrichtungen wechseln und viel mehr Gebiete betroffen sind, als das nach einer eintägigen Freisetzung der Fall wäre.'" (tagesschau)

Links:
https://www.tagesschau.de/inland/jod-tabletten-101.html
https://www.morgenpost.de/politik/article226851411/Vorsorge-fuer-Atomunfall-Bund-ordert-Millionen-Jodtabletten

„Erst vor wenigen Tagen war in Russland bei einem schiefgelaufenen Raketentest Radioaktivität freigesetzt worden. Das in der Natur vorkommende Strahlenniveau sei in der Spitze um das 16-Fache überschritten worden, teilte der russische Wetterdienst Rosgidromet mit. Eine Rakete war explodiert, sieben Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Es gab im Ausland die Befürchtung, dass die russischen Behörden – wie schon in der Vergangenheit – nicht über das wahre Ausmaß informiert hätten.“ (Berliner Morgenpost)

Links:
https://www.scinexx.de/news/energie/es-gab-doch-einen-atomunfall-mayak/ (Ruthenium 2017)
https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ruthenium-wolke-ueber-europa-studie-bestaetigt-atomfabrik-majak-als-quelle-a-1279448.html
https://www.spektrum.de/news/die-reaktorkatastrophe-von-majak/1501007
https://rp-online.de/nrw/panorama/nrw-bestellt-jodtabletten-zum-schutz-bei-atomunfall_aid-18393585
https://www.businessinsider.de/was-jodtabletten-im-falle-eines-atomunfalls-bewirken-2019-8


Juli 2019 : Kommentar zu Olympia 2020

In Tokio regiert die Angst

„Korruptionsverdacht, Kostenexplosion, miese Arbeitsbedingungen: Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio 2020 ist die Stimmung in Japans Hauptstadt schlecht. Vorfreude auf Olympia will keine aufkommen. Das Organisationskomitee verstrickt sich in Widersprüche.“ (Felix Lill, Deutschlandfunk.de)


Panel zum Thema Nuklearität in Japan nach 3/11

Im Rahmen der 11. International Convention of Asia Scholars (ICAS) in Leiden tagte am 17. Juli das von der Japanologie Frankfurt unter Lisette Gebhardt organisierte Panel "Japanese-European intellectual and artistic approaches to nuclearity. Human transformation, thought control, atomic landscapes" zum Thema intellektueller und künstlerischer Repräsentationen des Atomaren in Japan, mit besonderer Aufmerksamkeit auf das zeitgeschichtliche Ereignis "Fukushima". 

Abstract des Panels:
While a global cultural history of the nuclear is still missing, the Japanese-European axis of a nuclear modernity would certainly be a central part of it. The experience of the atomic bomb built the basis for a new philosophical debate on human existence both in Japan and Germany that also characterized art and literature in the postwar decades. When “3.11” happened, Japanese as well as German writers and artists reacted almost immediately to the so called trifold catastrophe, often referring to the heritage of Hiroshima and Nagasaki. Post-Fukushima art relies on postwar questions of life in the Nuclear State (Jungk) and in the state of nuclearity. The Nuclear State clearly shows totalitarian tendencies, exerts control over its subjects, forces them into denial of their personal identities and finally into silence. Living in nuclearity means that the nuclear danger challenges human bios to adapt to a toxic environment – facing the threat of death or deformation.  Authors / artists such as Yôko Tawada, Tsushima Yûko, Doris Dörrie and Henmi Yô create models to reflect on the various aspects of a post 3.11-world such as the decay of democracy, right wing pedagogies, media manipulation, nuclear precarity, psychological crisis management, subversion and resistance, or possibilities of a new conviviality in a nuclear future.

Abstracts der einzelnen Vorträge:
(1) Chantal Bertalanffy (Edinburgh) "The Relationless Society and Fukushima’s Trauma: Doris Dörrie’s 'Fukushima Mon Amour' and Sion Sono’s 'Himizu'" 
Six months after The Great East Japan Earthquake and Tsunami as well as the subsequent nuclear accident on 11 March 2011, narrative films began to merge “real” events with fictional stories. Although ethical questions surrounding the consumption of “3.11”’s tragedy in the form of films can and should be raised, this paper argues that recent Japanese cinema is an artistic intervention towards the government’s dominant narrative of a collective national trauma. Especially in comparison to Germany’s decision to phase out nuclear energy following Fukushima, this paper will illustrate how Japan’s maintenance of its nuclear policy has undermined particular democratic practices and created new precarities. Post-disaster Japanese cinema, therefore, not only challenges the Nuclear State and living in nuclearity, it also highlights what Anne Allison (2013) describes as Japan’s  muen-shakai (relationless society) as the actual cause for individual trauma.
 In Doris Dörrie’s Fukushima Mon Amour (2016), protagonist Marie travels from Germany to Japan after having had a traumatic experience. Apart from the fact that Dörrie’s film is set in the disaster area in Fukushima prefecture, the parallel between a German film’s depiction of individual trauma and many recent Japanese films opens up the question if ‘relationlessness’ is not only a Japanese phenomenon but can be linked to a German and/or more global context. A comparison between Himizu (Sion Sono, 2011) and Fukushima Mon Amour will explore how the fear of nuclear energy could thematically be linked to muen-shakai and the consequential precariousness.
(2) Christian Chappelow (Frankfurt) "The language of nuclear obedience in Japan: Henmi Yô’s literary pensées on ‘Fukushima’
The work of author and journalist Henmi Yô 辺見庸 (*1944) can be read as an anachronistic antithesis to contemporary Japanese literature in the Heisei-Era (1989-2019): Heavily influenced by his travels around the world as a journalist as well as the philosophy and cultural critique of Adorno and others, Henmis literature seemingly follows in the footsteps of modernist bourgeoise intellectuality in a time when mass media, commercialism and political apathy came to the forefront of established literary discussion. After returning to Japan and winning the Akutagawa price in 1991, Henmi begins to construct his own cultural critique of post-war Japan, focusing on topics like the death sentence, the language of state media and the Koizumi administrations support for the Iraq War.
 Living in Ishinomaki (Miyagi Prefecture), Henmi witnessed the destruction of his hometown in March 2011 and the nuclear catastrophe that soon followed. "Fukushima" thus comes to be both pinnacle and tipping point in his late work, with his cultural critique of nuclear energy in postwar Japan a catalyst for his intellectually constructed vision of Japanese society quietly slipping back into neo fascist obedience. This paper aims to discuss how his literary pensées on 3.11, radical in both language and ideas, should be assessed in line of both a continuation of European intellectuality as well as an artistic self-presentation as perpetual oppositionist in the context of literary approaches to nuclearity in the Heisei-Era.
(3) Lisette Gebhardt (Frankfurt): "Transformations of youth in post-apocalyptic futures: Two poetico-political blueprints by Tsushima Yûko and Tawada Yôko"
Mainstream post-Fukushima literature perpetuates the routines of the Japanese cultural life within a mass-mediated reality. A large part of the publishing scene follows the agenda of appeasement and “healing” (iyashi). However, there also were a few representatives of a literary community that still clings to the values of Japanese postwar democracy. They state their opinions frankly, or show aspects of an unwanted reality in their fictional representation of 3.11. To mention are the late renowned writer Tsushima Yûko津島 佑子 (1947-2016), Kirino Natsuo, Yoshimura Man’ichi and Tawada Yôko. In fact, their works suggest that Japanese “post-disaster literature” (shinsaigo bungaku) has made a contribution to today’s world literature in the direction of what was formally known as “political literature”.
 In Hangenki wo iwatte (2016), Tsushima refers to the German “Hitler Jugend” when she characterizes a dystopian totalitarian Japanese society in the near future, where the youth has undergone a mental transformation. Tawada’s protagonist in Kentôshi (2014), Yoshiro, once a friend of the German woman Hildegard, takes care of his grandson Mumei who represents a younger generation in post-apocalyptic Japan that already has mutated genes. While Tsushima describes totalitarian pedagogy in order to expose anti-democratic and inhuman structures under nuclear regimes, Tawada thinks of totally new forms of existence and of a challenging conviviality with the nuclear.

Insbesondere die Einordnung "Fukushimas" zwischen regionaler, japanischer und globaler Katastrophe wurde im Anschluss an das gut besuchte Panel diskutiert.
Die ICAS ist die größte Konferenz asiatischer Studien weltweit und findet alle zwei Jahre statt. Die nächste Konferenz findet 2021 in Kyôto statt.

Link: https://eu.eventscloud.com/ehome/icas11/


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