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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

Zur Zeit sind Publikationen zum Thema Japan nach „Fukushima“ in Vorbereitung. Bedingt durch diese Publikationstätigkeiten werden in der kommenden Zeit die Entwicklungen in Japan in größeren Abständen kommentiert. Nach wie vor sollen jedoch Hinweise auf japanische / westliche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema „Japan nach Fukushima“ bekannt gegeben werden.


Aktuelles

Sharing as Caring - Ein Kunstprojekt

"Im Gefolge der Dreifach-Katastrophe hat Yoshida Miya gemeinsam mit dem Heidelberger Kunstverein das über fünf Jahre laufende Projekt "Sharing as Caring" realisiert. Die gleichnamige Zeitung, die hiermit als PDF-Datei zur Verfügung gestellt wird, gibt einen Einblick in die Ergenisse der gemeinsamen Arbeit mit Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen, von denen einige auch in der Textinitiative Fukushima erwähnt und vorgestellt worden sind, wie etwa Takamine Tadasu oder Ikemura Leiko. Das Material kann gern weiter verbreitet werden."

Link zum Bericht in PDF-Form: http://www.textinitiative-fukushima.de/media/Dokumente/HDKV_SAC-Zeitung_Screen.pdf


Higuchi Kenji in Düsseldorf

Higuchi Kenji, der bekannte Fotograf, Anti-AKW-Aktivist und seit mehr als 45 Jahren Kenner der Atomindustrie, hielt am 12. März 2017 in Düsseldorf einen Vortrag. Durch die Übersetzung seiner Rede ist es nun auch möglich, den Ausführungen auf Deutsch zu folgen.

Vortragsmitschnitt

Bilder der Fotoausstellung und des Aufenthaltes

Vielen Dank an die Gruppe Sayonara Genpatsu Düsseldorf für das Bereitstellen dieses Zeitdokuments!


Bericht zu Buchpremiere "Inside Fukushima"

„Inside Fukushima – Eine Reportage aus dem Inneren der Katastrophe“
von Tomohiko SuzukiCopyright: Tsukasa Yajima

Vom 10. März bis 14. März weilte der Autor des Buches Inside Fukushima – Eine Reportage aus dem Inneren der Katastrophe Suzuki Tomohiko in Deutschland. Die europaweite Buchpremiere fand am sechsten Jahrestag der Dreifachkatastrophe von Nord-Ost-Japan im Rahmen des Lesefestivals „Lesen ohne Atomstrom“ im Hamburger Völkerkundemuseum statt. Als Ergänzung zu den Anti-AKW-Demonstrationen am 11. März in mehreren deutschen Großstädten erinnerte die Veranstaltung nicht nur an die Katastrophen und deren Folgen, sondern auch daran, wie die japanische Regierung gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren des sogenannten japanischen Atomdorfs versucht(e), die Lage im geborstenen AKW Fukushima Daiichi in den Griff zu bekommen. Suzuki Tomohiko ist genau dieser Frage nachgegangen und hat sich drei Monate nach der Katastrophe für mehr als zwei Monate im havarierten AKW Fukushima Daiichi als AKW-Arbeiter verdingt. In Japan bekannt als Journalist und Spezialist für die Yakuza, über die er seit Jahrzehnten berichtet, setzte er sich auch vor der Katastrophe mit dem gesellschaftlichen Phänomen der organisierten Kriminalität auseinander. In der Ausnahmesituation nach dem Super-GAU entschloss er sich dann genau dorthin zu gehen, wo viele seiner Kollegen sich nicht mehr hinwagten. Anfänglich als Begleiter der Yakuza in Hilfsgüterlieferungen in die betroffenen Gebiete eingebunden, merkte er schnell, dass die Verbindungen der Yakuza in das AKW-Gewerbe und die Rekrutierung von Arbeitskräften tiefer waren, als er es bisher für möglich gehalten hatte. Verstrickungen der Yakuza in viele Bereiche der Wirtschaft, wie z.B. dem Baugewerbe, dem Glücksspiel, aber auch ins Rotlichtmilieu, waren ihm auch vorher bekannt. Hellhörig wurde Suzuki Tomohiko aber, als ihn in den ersten Tagen nach der Katstrophe beständig ranghohe Mitglieder der Yakuza anriefen und ihn fragten, ob er nicht jemanden kenne, der im AKW arbeiten wolle, bzw. ob er nicht Leute kenne, die Arbeiter vermitteln könnten.

In den Diskussionen auf den Veranstaltungen kamen folgende Fragen immer wieder auf. Zum einen erklärte Suzuki den Unterschied zwischen der japanischen Yakuza im Vergleich zur italienischen Mafia. Die Frage, wieso er sich hier offen präsentieren könne und keine Angst vor Vergeltungsaktionen haben müsse, spielte dabei genauso eine Rolle, wie das Interesse daran, wie es überhaupt möglich sei, über die Yakuza zu berichten. Weitere Erklärungen stillten die Neugier des Publikums nach den Arbeitsbedingungen, den Schutzmaßnahmen vor Radioaktivität und seinem Doppelleben als AKW-Arbeiter und Journalist. All diese Fragen erläuterte Suzuki Tomohiko sowohl in Hamburg und dann am 13. März 2017 noch einmal in Berlin, bei einer Lesung im Verlag Assoziation A. Die Veranstaltung in Hamburg fand großen Zuspruch der Bürgerschaft. Ungefähr 500 Menschen kamen und wollten dabei sein. Darüber hinaus wurde die Veranstaltung aufgezeichnet und sogar live gestreamt und kann deshalb auch jetzt noch online nachgeschaut werden. Die Diskussion wurde in Hamburg von der Mitgründerin von Greenpeace Deutschland Monika Griefahn geleitet. Auf dem Podium saßen außer Suzuki Tomohiko der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz Dr. Sebastian Pflugbeil und der bekannte Undercover-Journalist Günter Wallraff. Sowohl in Hamburg als auch in Berlin ging den Diskussionen eine Lesung voraus. Während in Berlin der Schauspieler Richard Schnell, der schon an der Aufführung von Stimmen aus Tschernobyl mitgewirkt hatte, eindrucksvoll und stimmgewaltig die Situation der AKW-Arbeiter in den Raum projizierte, übernahm diesen Part in Hamburg die Schauspielerin Anna Thalbach. Auch in Berlin überstieg die Besucherzahl die Erwartungen – es kamen mehr als 100 Interessierte und folgten seinen Ausführungen.

In den Medien fand die Buchpremiere ebenfalls großen Anklang. Vom 6. - 9. März lief eine vierteilige Radiosendung mit dem Titel „Weiterleben“ der Journalistin und Japanologin Judith Brandner im ORF. Darüber hinaus verfasste sie eine Rezension für die Schweizer WOZ. Der WDR (hier nachlesbar) berichtete in einer Radiosendung ebenso wie der NDR. Am 11. März berichtete die MOPO über das Buch im Zusammenhang mit einem Interview mit Günter Wallraff. Als Reaktion auf die Berliner Veranstaltung erschienen Beiträge in der Tageszeitung Junge Welt, bei Verdi und bei Telepolis.

An dieser Stelle sei noch einmal allen Beteiligten von Lesen-ohne-Atomstrom, dem Verlag Assoziation A, den DolmetscherInnen und OrganisatorInnen dieser Leseveranstaltungen gedankt, ohne die das Projekt so nicht hätte realisiert werden können. Allen LeserInnen wünschen der Autor und die ÜbersetzerInnen nun viel Freude bei der Lektüre! Wer mehr über die Struktur der AKW-Industrie, den Autor oder über die weitere Diskussion des Themas AKW-Arbeit in Japan erfahren möchte, kann gern den Text des Mitübersetzers Felix Jawinski zurate ziehen.


In der Zone ist es "normal": Rückkehr nach Iitate Ende März 2017

"Tepco und die japanische Regierung wollen im Sommer entscheiden, wie die 2011 nach einem Erdbeben und einem Tsunami havarierten drei Reaktoren demontiert werden können. Der Abbau der Reaktoren soll im Sommer 2021 beginnen und könnte Jahrzehnte dauern. Schon jetzt treibt die japanische Regierung die Rückkehr zur Normalität voran. So soll die Evakuierung des nahe gelegenen Dorfes Iitate zum 31. März 2017 aufgehoben werden, damit die Bewohner zurückkehren. Ein Jahr später, so heißt es aus Regierungskreisen, werden die Kompensationszahlungen für die betroffenen Bürger eingestellt." (br, März 2017)

Link: http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/fukushima-strahlung-100.html


Watanabe Hisako über die psychische Belastung von Kindern aus der Region Fukushima

“Die größte Herausforderung ist die Angst vor sozialer Unterdrückung sowie die Suche nach den wahren Folgen für die Gesundheit. Die japanische Nation als Ganzes empfindet eine so tiefe Scham in Bezug auf die Katastrophe im AKW, dass sie diese vergessen möchte und so tun möchte, als sei sie vorbei. Aber sie ist überhaupt nicht vorbei. Sechs Jahre danach wissen wir noch immer nicht, was in den Reaktoren passierte. Wir haben nicht ein einziges Werkzeug entwickelt, das der destruktiven Kraft der Strahlung standhält. Und die medizinische Gemeinschaft wird still dazu gezwungen, mit der Regierung in Tokio zu konspirieren, damit diese weiter auf die Atomkraft setzen kann.“

Interview mit der Psychiaterin Watanabe Hisako, Sonja Blascke, Ärzte Zeitung Online, 10.März 2017

Link: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitspolitik_international/article/931249/fukushima-psychische-gesundheit-groesste-baustelle.html


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