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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

Die Seiten der Textinitiative Fukushima werden derzeit von der Japanologie der Goethe-Universität betrieben. Gegenwärtiges Anliegen von TIF ist die zeitgeschichtliche Dokumentation. Das Forum dient nun in erster Linie als Archiv für Informationen zu 3/11 sowie allgemein zur Geschichte des Atomaren. Die Suchfunktion ermöglicht Recherchen zu Stichworten, Inhalten und Akteuren.

Aktuelles

System der Verantwortungslosigkeit: anschaulich

In verschiedenen bisher übersetzten Beiträgen (so etwa im Text von Takahashi Tetsuya, oder im demnächst folgenden Text von Sakai Naoki) ist immer wieder die Rede vom "System der Verantwortungslosigkeit" - ein Begriff, den einst der Politik- und Ideenhistoriker Maruyama Masao geprägt hat Ein besonders anschauliches und zumindest mich erschütterndes Beispiel zeigt die folgende Youtube-Sequenz, die ich von der (u.a.) Manga-Zeichnerin Marianna Poppitz zugeschickt bekommen habe (vielen Dank!):

http://www.youtube.com/watch?v=rVuGwc9dlhQ&feature=player_embedded
(von dort führen weitere Links auf Sequenzen, die auch erklären, wer da im Posium saß)

Es ist dies die Pointe einer etwa zweistündigen Zusammenkunft von Vertretern der Regierung bzw. Bürokratie aus Tokyo mit Bewohnern von Fukushima/der Präfektur - letztere fordern Aufklärung über die Strahlensituation und: gleiche Behandlung wie auch andere Bürger des Landes. Man zähle einmal mit, wie oft allein in dieser knapp 6-minütigen Sequenz von ersteren geäußert wird, das falle nicht in ihr Ressort bzw. dafür seien nicht sie verantwortlich...
Schon 1977 verwies Robert Jungk in seiner nach wie vor lesenswerten und erhellenden Anti-AKW-Schrift "Der Atomstaat" (1) auf die Rolle der Kernkraft bei der "Entwicklung vom Rechtsstaat zum totalitären Atomstaat", auf das dafür erforderliche Zusammenwirken von
"Großindustrie", "Großstaat" und "Großwissenschaft". Jungk zeigt anhand der Atomindustrie-Entwicklung in Frankreich, der BRD, der USA, punktuell auch in Japan, wie sehr es für die Aufrechterhaltung der Industrie eben gerade jenes Aspekts von "Staat" bedarf, der nicht nur die Technik selbst "unter Kontrolle" bringen will/muß (was nie ausreichend gelingt), sondern auch auf effiziente "Menschenkontrolle" angewiesen ist. Diese bedeute in jedem Fall Einschränkung der Freiheiten und Rechte, nicht nur mittels der vielen Zäune um AKW- oder Atommüllanlagen (die nicht nur/weniger die Bürger vor den Anlagen als vor allem die Anlagen vor den Bürgern schützen sollen), sondern auch mit Hilfe neuer Sozial- und Psychotechniken. Worüber bei Jungk - vor Tschernobyl und Fukushima - hingegen noch wenig zu lesen ist, sind Erfahrungen, wie sich Staat/Bürokratie, Politik, Energieindustrie, Medien und auch die "Großwissenschaft" (das, was kürzlich Ueno Chizuko oder auch Sakamoto Ryûichi (2) als das "den-kan-sei-gaku-hô-"Pentagon" 電官政学報の「ペンタゴン」bezeichnet haben) dann als "machtlos" gerieren ("Das war nicht vorauszusehen!") und sich aus der Verantwortung stehlen, wenn es zum GAU gekommen ist. Wie gesagt, diese Sequenz, veranschaulicht das, was nun mehr auch von uns Japanwissenschaftlern gründlich zu analysieren und im wortwörtlichen Sinne zu ver-öffentlichen ist.

1. Robert Jungk: Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit. München 1977/1991
2. Ikezawa Natsuki et al (Hg.): Datsugenpantsu shakai o tsukuru30nin no teigen [Vorschläge von 30 Leuten zur Schaffung einer Gesellschaft, die aus der Atomkraft aussteigt]. Tôkyô: Commons, 2011

Steffi Richter


Vielfalt der öffentlichen Meinung in Japan – die Diskussion um Fukushima in den sozialen Foren

Der vorliegende Text ist das Ergebnis einer Projektarbeit des Sprachkurses der Japanologie im Fachbereich 09 der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Betreuer war Dr. Guido Woldering. Inhaltlich ging es im Projekt um ein von dem in einigen Medien in Japan und im Ausland vorherrschenden Sensationalismus freies Bild davon, wie Betroffene die Lage in Fukushima wahrnehmen. Es lag nahe, Quellen mit verschiedenen Standpunkten zu übersetzen. Die erste Quelle ist ein Auszug aus dem Tweet eines mittelständischen Bauunternehmers, des Mittvierzigers Tamagawa Mitsuaki. Seine Mitteilungen und die darauf folgenden Reaktionen lassen Ängste und Leid im Alltagsleben ahnen. Die zweite Quelle ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Tweets und Weblogs, in denen Befürworter der Atomkraft das Wort führen und beispielsweise feststellen, als wie sicher sich doch die Atomkraft gerade gegenüber Erdbeben und Tsunami erwiesen habe. Die Inhalte beider Quellen sind auf dem Stand von Mitte März 2011. Umso interessanter ist nun deren Betrachtung in der Rückschau vor dem Hintergrund der damals noch nicht abgesehenen Folgen.


Update aus den Leipziger Reihen

Unter den "Projekten" finden sich neue Übersetzungen und Kommentare der Leipziger Projektgruppe, unter Anderem die Übersetzung eines Interviews mit KARATANI Kôjin und Material zur Regisseurin KAMANAKA Hitomi.


Interview mit der japanischen Greenpeace-Aktivistin Hisayo Takada

Die Energie- und Klimaaktivistin Hisayo Takada, tätig bei Greenpeace Japan, wurde von Greenpeace Deutschland eingeladen, um sie bei deren Arbeit für einige Zeit zu unterstützen. Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan und der daraus folgenden nuklearen Katastrophe in Fukushima, möchte sie sich in Deutschland ein Bild über die Schaffung von erneuerbaren Energien machen. Hier erlebt Hisayo Takada den bereits beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft und sieht ihn als eine Motivation es in Japan gleich zu tun, wie sie im folgenden Interview erzählt…


„Landkarte der radioaktiven Belastung in Japan“: Kimura Shinzôs Arbeit

Kimura Shinzô 木村真三 ist ein Spezialist für die Überprüfung von Radioaktivität, der sich seit den Ereignissen in Fukushima mit der Strahlenbelastung in Japan befasst. Er erstellte eine aufschlussreiche Landkarte der radioaktiven Belastung in Japan (Radioactive Fallout Contamination Map); seine Untersuchungen wurden von NHK dokumentiert und im Juni in einer 90-minütigen Reportage des NHK Educational TV unter dem Titel „Collaborating to create a radioctive fallout map“ berichtet. Kimura ist derzeit an der Universität Hokkaidô tätig. Zunächst hatte er für das National Institute of Radiological Sciences gearbeitet, an dem er Mitglied des Untersuchungsteams zum Nuklearunfall von Tôkaimura war. Der Wissenschaftler wechselte später zu einem Institut am Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt und stellte von dort aus Erkundungen in Tschernobyl an. Nach dem atomaren GAU in Fukushima erhielt er die Anweisung, keine Untersuchungen anzugehen. Kimura gab daraufhin den Posten auf, um unabhängig forschen zu können. Seither reist er in die betroffenen Gegenden, misst die Strahlungswerte, sammelt Boden- und Pflanzenproben und verständigt sich mit anderen Spezialisten, wie zum Beispiel mit Okano Masaharu über die Befunde.

http://www.nippon-sekai.com/main/articles/fukushima-daiichi-nuclear-power-plant-crisis/nhk-special-collaborating-to-create-a-radioactive-fallout-map/

NHK ETV特集 ネットワ―クで作る放射能汚染地図

NHK ETV特集 続報 放射能汚染地図


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